Da fahren wir mal hin – “Worpswede” / Teil 2

Der Barkenhoff (Foto: khh)

Um alle Sehenswürdigkeiten  Worpswedes zu besuchen, reicht ein Nachmittag keinesfalls aus.

Also machten wir uns ein zweites Mal auf den Weg, um auch den Rest kennenzulernen. Wir schauten uns in dieser Reihenfolge die “Käseglocke”, den “Barkenhoff”, das “Haus im Schluh” und den “Worpsweder Bahnhof” an.

In der “Käseglocke” wurden wir von einem überaus freundlichen Herren des Fördervereins empfangen, der uns in die Geschichte des Hauses einweihte. Das überwiegend aus Holz gebaute Kuppelhaus liegt von Kiefern umgeben auf einem Waldgrundstück an der Lindenallee. Das architektonisch einzigartige runde Bauwerk diente dem Schriftsteller Edwin Koenemann von 1926 an als Wohnhaus.

Ursprünglich vom Architekten Bruno Taut gestaltet und mit farbiger Außengestaltung und expressionistischen Details versehen, sorgte das Gebäude wegen seiner ungewöhnlichen Iglu-Form für Aufsehen und erhielt von den Worpswedern den Namen “Käseglocke”. Doch das Wohngefühl ist einzigartig. Da die “Freunde Worpswedes e.V.” auf den Erlebnischarakter dieses Museums großen Wert legen, darf man sich überall setzen, verweilen, die einmalige Atmosphäre genießen und sich fast wie zu Hause fühlen.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Da fahren wir mal hin | Verschlagwortet mit
Dieser Beitrag wurde bislang 22 mal gelesen. | Hinterlasse einen Kommentar

Rating Agenturen

Immer wieder melden sich die sogenannten Rating Agenturen (wovon die meisten Horrormeldungen lediglich von drei amerikanischen kommen und es kaum bekannt ist, ob es noch weitere gibt, und wenn, dann sind sie eher etwas zurückhaltender) zu den unpassendsten Augenblicken zu Wort. Man könnte meinen, die Sache hat System.

Gerade jetzt sorgen sie wieder für eine gewisse Missstimmung (auch wenn alle versuchen den Ball flachzuhalten). Mal wieder werden neun Länder herabgestuft und die Unsicherheit steigt erneut an. Natürlich reagiert der gierige Aktienmarkt stets von einer Sekunde auf die andere.

Dann wird ganz schnell noch einer nachgeschoben mit der Herabstufung des Rettungsfonds EFSF.

Nun, ich bin alles andere als ein Finanzexperte, und die Spielchen der Reichen und Schönen auf der Welt mit den Milliarden kann niemals meines werden. Seit langem wundert mich allerdings eines:

Warum lässt EUROPA das mit sich ohne Gegenwehr geschehen? Wir sind ja nun wirklich keine kleine Würstchenbude (wenngleich in einer sehr heterogenen Zusammensetzung) und stellen schon eine nicht uninteressante Wirtschaftskraft dar.  Dennoch lassen wir uns von den amerikanischen Ratingagenturen ständig an der Nase rum führen. Dabei sind sie doch ein Vorbild an Profitgier. Außerdem scheint doch offensichtlich, dass ausschließlich amerikanische Interessen dahinter stecken.

Dabei sitzen die nun wirklich in einem Glashaus und haben ihre eigenen Finanzprobleme seit Jahren nicht mehr im Griff (wer hat das schon in einer Welt, die nur nach immer reicher, immer höher, immer mehr giert – koste es was es wolle).

Warum leistet sich Europa keine eigene Ratingagentur (wenn wir schon unbedingt eine derartige Einrichtung benötigen)? Wäre doch mal interessant zu erleben, was passiert, wenn diese dann die USA herabstufen!

Wohlgemerkt: sicher kein Kommentar eines Finanzexperten; doch eines normalen Bürgers, dem bei den vielen Milliarden und Billionen schon lange ganz schwindelig geworden ist.

Hans-Werner Kleindiek

Veröffentlicht unter Gastbeitrag, Wirtschaft | Verschlagwortet mit
Dieser Beitrag wurde bislang 63 mal gelesen. | Hinterlasse einen Kommentar

Der Sonntag gehört uns!

Die Flexibilisierung der Arbeitszeit hat enorme “Fortschritte” gemacht. Seit Jahren wird seitens der Wirtschaft auch an der letzten Bastion gebohrt. Unproduktive Zeiten,  das ist “Teufelszeug” für das Kapital, das seine Maschinen am liebsten jeden Tag rund um die Uhr auslasten möchte.

Doch noch ist der Sonntag in unserer westlichen Kultur durch die christliche Religion stark verankert, auch wenn kaum noch jemand zum Gottesdienst geht.

Warum ist so ein freier Tag auch in modernen Zeiten weiterhin wichtig? Jeder Mensch braucht schöpferische Pausen. Niemand kann acht Stunden konzentriert durcharbeiten. Wer erfolgreich sein will, muss Pausen machen. Nur, wer pausiert, kann wahrnehmen, was gelungen ist. Wer arbeitet, muss Pausen machen. Kein Gott und kein Mensch kann offenbar pausenlos arbeiten.

“Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tag ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes, da sollst du kein Werk tun, weder du, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch dein Fremdling, der in deinen Toren ist. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer, und alles was darinnen ist. Aber am siebenten Tag ruhte er von allen seinen Werken. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn.“ (Mose 20,8-11)

Er hat inzwischen fast etwas Anachronistisches, auch wenn der Sonntag bereits auf vielfachem Wege ausgehöhlt wurde (Tankstellenshops, verkaufsoffene Sonntage, touristische Sonderregelungen).

“An einem Sonntag einkaufen zu können, setzt uns noch zusätzlich unter Druck. Wir gewinnen den Sonntag nicht, sondern verlieren ihn. Denn wir verlieren die Zeit, die gekauften Produkte auch zu genießen.” (Helmut Rosa)

Der Sabbat war ursprünglich der letzte Tag der Woche. Daher beginnt die Woche nach jüdischer, christlicher und islamischer Tradition mit dem Sonntag. Die älteste Bezeichnung des christlichen Sonntags ist „Erster Tag nach dem Sabbat“. Den Sonntag zum Tag des Herrn hat der zum christlichen Glauben bekehrte römische Kaiser Konstantin im Jahre 321 gemacht – deshalb auch “domenica / dimanche”. Dass die Woche in den meisten europäischen Staaten inzwischen mit dem Montag beginnt, ist eine andere Geschichte.

Veröffentlicht unter Feuilleton | Verschlagwortet mit
Dieser Beitrag wurde bislang 119 mal gelesen. | Hinterlasse einen Kommentar

Schiffstragödie – “Costa Concordia”

In diesen Tagen werden wir überhäuft von den Berichten um ein Schiffsunglück in Italien.

Wie immer bei den verschiedensten Berichten und Kommentaren muss man unterscheiden zwischen Realität, Sensationsberichten, Interviews, sachlichen Meldungen usw. Wenn jemand wie ich selber zur See gefahren ist, dann hat er zu manchen Themen und Berichten einen anderen Blickwinkel und wünscht sich saubere Fakten (auch wenn diese vielleicht nicht so interessant sind).

Zu Beginn muss man immer das Leid der Menschen sehen, und dabei denke ich selbstverständlich nicht nur an die Passagiere; denn auch die Besatzung kämpft irgendwo ums überleben (da gibt es dann immer gerne die Kommentare, dass das schließlich ihr Beruf ist, und sie sich um das Wohl (auch bei einem Notfall) der Passagiere zu kümmern haben – eigene Interessen haben da zurück zu stehen – das sagt sich so leicht …).

Wie fange ich an? Zuerst einmal hat das Schiff an der Unglücksstelle überhaupt nichts zu suchen. Wenn der Kapitän schon meint, diese Passage durchfahren zu wollen, dann bitte doch mit dem entsprechenden Abstand. Aber nun, dass alles ist nicht so geschehen (warum auch immer). Ich bin auch der Meinung, dass die Reederei davon Kenntnis hat, es ist nur bisher nie etwas passiert. Es gibt die Aussagen, dass immer dieser Weg genommen wird (wenn auch vielleicht nicht genehmigt); aber Menschen halten doch nicht den Mund, darüber wird doch gesprochen. Überdies gibt es hier und da Kontrollen, und in den Logbüchern kann man exakt den gefahrenen Kurs nachvollziehen.

Außerdem ist anzunehmen, dass das Schiff wahrscheinlich zu schnell in der Durchfahrt war (immerhin ein 70m langer Riss – wenn die Meldungen stimmen). In so einer engen Stelle fährt man mit der niedrigsten Fahrstufe. Trotzdem gilt zu bedenken, dass ein Schiff niemals wie ein Auto reagiert. Wenn man das Steuer nach Backbord legt, dann fährt es (je nach Umstände: Strömung – Wind usw.) noch lange nicht nach Backbord – und das alles sehr langsam. Die Costa Concordia ist nun mal kein kleines Boot, sondern reagiert entsprechend schwerfällig.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Gastbeitrag, Modernes Leben | Verschlagwortet mit
Dieser Beitrag wurde bislang 258 mal gelesen. | 4 Kommentare

Unsere deutsche Sprache

Kürzlich kommt in einer regionalen Nachrichtensendung ein interessanter Beitrag zum Thema „Ersthelfer“.

Das war’s dann auch mit dem Namen „Ersthelfer“ – mit Beginn des Berichtes und des anschließenden Interviews sprach man plötzlich von „First Responder“ – das klingt natürlich ganz anders.

Ich frage mich immer und immer wieder: Was soll das? Was veranlasst uns, unsere Muttersprache dauernd mit fremdsprachlichen Begriffen zu ersetzen? Beim näheren Hinsehen habe ich dann herausgefunden, das „First Responder“ bedeutet: Erst-Reagierender / Erst-Eintreffender. Bitte noch einmal meine Frage: Warum dann die Abänderung unseres doch absolut zutreffenden Wortes: „Ersthelfer“? Was wollen wir uns damit beweisen?

Im Radio gibt es nur noch „Features“. Diese Reihe ließe sich unendlich fortsetzen. Ich behaupte schlichtweg, dass kein Land der Erde derart mit seiner Muttersprache umgeht wie wir es tun.

Natürlich gab und gibt es immer Zeiten, in denen anderes Wortgut den Zugang in unsere Sprache findet und gefunden hat; doch in dieser Zeit ist es offensichtlich zum Volkssport geworden. Dieses, obschon kürzlich in einer Gesprächsrunde (heute wohl besser „Talkshow“) deutlich wurde, wie wunderbar unsere Sprache ist und wie treffend die Worte das aussagen, was sie bedeuten. Welch ein Widerspruch!

Dass die EDV-Sprache völlig anders klingt und niemand mehr weiß (außer den Spezialisten) was gemeint ist, lässt sich nicht mehr ändern (die meisten Begriffe findet man nicht mal im Fremdsprachenlexikon – also muss ein eigenes DV-Lexikon her – damit sind wir aber auch nicht schlauer). Das schafft natürlich den Spezialisten den enormen Vorteil, sich unterhalten zu können, ohne dass die Allgemeinheit mitbekommt, worüber gesprochen wird. Außerdem macht man sich unabkömmlich; denn bei auftretenden Problemen kommt man als “User” nie selber weiter.

Nur müssen wir außerhalb dieser DV-Welt auch so verfahren? Muss ich es grundsätzlich als gegeben hinnehmen, Texte nur noch in Verbindung mit einem Lexikon lesen zu können?

Hans-Werner Kleindiek

Veröffentlicht unter Sprache | Verschlagwortet mit ,
Dieser Beitrag wurde bislang 145 mal gelesen. | 6 Kommentare

William Shakespeare – “König Heinrich VIII.”

Foto: khh

Das Ensemble von “Shakespeare und Partner” geht seit etwa zehn Jahren getrennte Wege von der Keimzelle der ”Shakespeare Company” in Bremen. Unter der Leitung von Norman Kentrup und Dagmar Papula sind seitdem viele preisgekrönte Inszenierungen entstanden.

Am vergangenen Samstag führte ganz elisabethanisch ein Männerensemble von fünf Schauspielern (Sebastian Bischoff, Andreas Erfurth, Jan Maak, Urs Stämpfle, Markus Weckeser – der als Regisseur den erkrankten Norman Kentrup ersetzte), die alle im raschen Wechsel und minimalen Kostümtausch gut in ein Dutzend Rollen schlüpften, in der KGS Leeste das Stück “Alles wahr – König Heinrich VIII.” auf.

Dass ein Theaterstück trotz eines minimalistischen Bühnenbilds hervorragend und spannend gelingen kann, wurde hier einmal mehr bewiesen: Ein Proszenium-Podest (im griechischen Theater war das “proskenion” ein fassadenartige Vorbau vor der “skene”, wo auch die Schauspieler auftraten) ohne  Kulissen, ein schwerer Holzstuhl im Bühnenzentrum, ein Tablett mit Speisen, das war’s.

Staunens- und bewunderungswürdig war nicht nur die Kunst der optischen Verwandlung jedes einzelnen Schauspielers, sondern vor allem deren Übernahme noch gegenteiligsten Rollen wie auch Frauenrollen in einem quicklebendigen Theaterstück.

Im Mittelpunkt des Dramas steht die Titelfigur Heinrich VIII., den man als Schüler ggf. aus dem Geschichtsunterricht wegen seiner insgesamt sechs Eheschließungen, von denen zwei mit Scheidung und zwei mit der Hinrichtung der Ehefrau endeten, kennt.

Doch bei dieser Geschichte geht es nicht darum. Es geht vielmehr um Einfluss, Geld und Macht. In diesem letzten Stück Shakespeares, das 1613 im Globe Theatre uraufgeführt wurde, dreht sich Machtspirale ständig. Im ersten Akt scheitert der Lord Buckingham mit seinen Plänen und wird geköpft. Der engste Vertraute des Königs, Kardinal Wolsey, zunächst berauscht von der eigenen Machtfülle, stolpert über seine Gier und Hybris und stirbt verstoßen und verarmt.

Doch nach dem Tod dieses bösartigen Intriganten kehren nicht etwa Frieden, Gerechtigkeit und Ruhe am Hofe ein. Im Gegenteil, das Intrigenspiel wird fortgesetzt, nur die Protagonisten sind jetzt andere. Der Zuschauer erlebt Konflikte, Ränkeschmiede, Konkurrenz und Eitelkeiten der politische Kaste und Hofschranzen im Buhlen um die Gunst des Königs.

Der Zuschauer erkennt an diesem Abend erschüttert die Parallelen zur aktuellen Zeitgeschichte: Der Mechanismus von Macht und Gier läuft noch heute wie geschmiert. Kaum etwas hat sich geändert, nur dass damals niemandem eine Justiz beisprang und heute den Protagonisten der Tower und Schlimmeres erspart bleibt – Wulff, Schröder, Hartz, Rürup und Konsorten lassen grüßen.

Trotz noch bestehender Ehe mit Katharina von Aragón und ohne päpstliche Erlaubnis heiratete Heinrich die junge Anne Boleyn, von der er sich einen männlichen Thronfolger erhofft.  Lordkanzler Thomas Morus, der gegen die zweite Eheschließung ist, hat bereits zuvor sein Amt niedergelegt.

Dies stärkt die Position Annes derart, dass nach dem Tod des bisherigen Erzbischofs von Canterbury, William Warham, als eines der ersten Resultate der Hauskaplan der Boleyns, Thomas Cranmer, als neuer Erzbischof von Canterbury eingesetzt wurde. Dieser erklärt denn auch die Eheschließung umgehend für gültig, was zu einer Bannandrohung des Papstes führt und die Trennung von Rom manifestiert.

Erst nachträglich verfügte ein Scheidungsgericht der englischen Kirche die vom Papst nicht anerkannte Annullierung der Ehe Heinrichs mit Katharina von Aragón. Auch sie stirbt einsam und verstoßen.

Doch gebiert Anne Heinrich VIII. statt eines Sohnes eine Tochter: Elisabeth I. Das Stück endet trotz dieser Enttäuschung mit einer Jubelrede auf die neugeborene Elisabeth I. und einer Prophezeiung ihrer späteren Taten durch die höfischen Sykophanten.

“Alles ist wahr” ist der Originaltitel – und Geschichte scheint ein ewiger Kreislauf.

Veröffentlicht unter Feuilleton, Kultur | Verschlagwortet mit ,
Dieser Beitrag wurde bislang 67 mal gelesen. | Hinterlasse einen Kommentar

Henning Scherf – “Grau ist bunt”

Wer sich schon mal mit dem Thema seines fortschreitenden Alters befasst hat, stolpert automatisch über den Bereich des zukünftigen Wohnens und trifft wahrscheinlich auf das Buch (mit oben genanntem Titel) von Henning Scherf (und sollte es dann auch lesen).

Nun, ich war in der glücklichen Situation, Henning Scherf zu diesem Thema am 10. Januar d. J. persönlich erleben zu dürfen. Die Räumlichkeit im Pfarrzentrum war prall gefüllt – offensichtlich ein wichtiges Thema. Es fiel auf, dass Henning Scherf jeden Besucher persönlich mit Handschlag und den Glückwünschen für das neue Jahr begrüßte. Beeindruckend und sehr sympathisch, wie ich meine – eine mögliche Distanz war damit von Beginn an ausgeräumt.

Er stieg dann auch sofort und ohne große Umschweife in die Thematik ein (die jetzt im Detail nicht Schwerpunkt dieser Zeilen sein soll – jede/r möge für sich entscheiden das Buch zu kaufen und zu lesen, oder andere Werke zu diesem Thema – auch das Internet bietet reichlich Möglichkeit, sich hierüber schlau zu machen und den Stoff zu vertiefen). Henning Scherf ist nicht nur ein sehr guter Redner, er ist ebenso ein begnadeter Erzähler, der die Zuhörer/innen mit vielen kleinen Beispielen in dieses sehr breite und umfassende Thema mit nahm.

Man war schnell geneigt zu sagen: na ja, so ein gut betuchter Politiker mit ebensolcher Familie und solidem Fundament, das kann doch jeder…………. doch was ist mit den Menschen aus eher bescheidenen Verhältnissen und geringen finanziellen Mitteln? Auch dieses Thema wurde nicht ausgespart, und er forderte immer wieder auf Fragen zu stellen, um so mit den anwesenden Menschen ins Gespräch zu kommen. Er wollte nicht der Vortragende und Alleinunterhalter sein, er wollte die Menschen einbeziehen und sie parktisch mitnehmen in diese Welt der anderen Art zu wohnen und seinen Lebensabend zu erleben.

Also wurde das finanzielle Thema natürlich angesprochen, genauso wie die Altersstruktur der Wohngemeinschaft bis zum Thema Krankheit, schwere oder gar tödliche Krankheit und hin zum Sterben. Die Interessierten sparten keinen Bereich aus, und so war es in der Tat ein ausgesprochen spannender Abend. Sehr einfühlsam ging Henning Scherf gerade auch auf die Problematik der Krankheit bis hin zum Tod ein; denn auch diese Erfahrung hat diese Wohngemeinschaft hautnah erlebt und durchlebt. Immerhin waren die Bewohner zu Beginn alle noch berufstätig und mussten sich in dem Fall organisieren bis hin zur 24 Stundenbetreuung. Alle haben mit gemacht (wie auch bei allen anderen heran stehenden Fragen); denn nur dann funktioniert so ein Modell.

Schließlich wurde auch die Zukunft angesprochen und allen wurde klar, dass diese Gemeinschaft kein Thema aussparen darf und rechtzeitig und im Einvernehmen Lösungen finden muss. Sehr interessant war von Anfang an auch die Erkenntnis, dass von allen Mitbewohnern die gesamten Familien einbezogen waren (Kinder und Enkelkinder – Freunde und Bekannte; denn nicht alle Bewohner sind Ehepaare).

Ein Thema, das Aufmerksamkeit auf breiter Ebene verlangt; denn Seniorenheime auf der grünen Wiese, mit hunderten Betroffenen und wenigen Pflegerinnen und Pflegern, die nur auf den Profit gieriger Investoren aus sind, werden niemals die Lösung sein können. Mehrere Generationen in dem Haus mit vielen gemeinsamen Aktivitäten und der Toleranz, die/den Andere/n so zu akzeptieren wie sie/er ist muss kein Wunschtraum sein, wie der Abend bewiesen hat. Dieses Modell ist nicht mit der Brechstange zu erreichen, verlangt sehr viel Weitblick und darf keine Tabus kennen. So eine Gemeinschaft bringt sicher hier und da Verzicht und radikale Umstellung mit sich; doch am Ende erntet das vorgestellte Beispiel von Henning Scherf große Zufriedenheit und den Aufbruch zu neuen Ufern. Jede und jeder muss für sich entscheiden, ob der Schritt zu wagen ist und man sich darauf einlassen will; doch allein im stillen Kämmerlein oder in einer riesigen Luxusvilla (in der letztlich nur 2 Zimmer bewohnt sind) kann nicht die Lösung und Erfüllung sein.

Eine überaus gelungene Veranstaltung, bei der es Henning Scherf sehr einfühlsam und dennoch ernsthaft gelang, dem Interessierten auf Augenhöhe zu begegnen. Der bei allem Respekt niemals überheblich wirkte, sondern optimistisch und mit großer Überzeugung zeigte, das diese Form des Zusammenlebens mit mehreren Generationen eine Chance für die Zukunft darstellt. Der nicht nur „heile Welt“ vorgaukelte, sondern sehr deutlich auch die Schwierigkeiten und Hürden aufzeigte, die es zu überwinden galt und weiter gelten wird. Man muss sich diesem Thema durchaus kritisch stellen, was sicher auch für die Art solcher Veranstaltungen gilt; denn ob, wann und wie jede und jeder die Kurve zu so einem Einstieg schafft, kann man nur für sich fällen. Mit einem Mann wie Henning Scherf kommt man der Entscheidung vielleicht ein Stückchen näher; denn man glaubt ihm, was er zu sagen hat.

Hans-Werner Kleindiek

Veröffentlicht unter Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , ,
Dieser Beitrag wurde bislang 124 mal gelesen. | Hinterlasse einen Kommentar

Das Tagesgeschenk

Stellen Sie sich einmal vor, jeden Morgen stellte Ihnen Ihre Bank 86.400 Euro auf Ihrem Konto zur Verfügung!

Sie können den gesamten Betrag an einem Tag ausgeben. Allerdings können Sie nichts sparen. Was Sie nicht ausgegeben haben, verfällt. Aber jeden Morgen, wenn Sie erwachen, hat Ihnen die Bank 86.400 neue Euro für den kommenden Tag bereits überwiesen.

Wielange dieses segensreiche Prozedere dauert, ist nicht absehbar. Denn die Bank kann den Dauerauftrag jederzeit ohne Gründe und Vorwarnung beenden.

Was würden Sie also tun mit diesem unerwartetem Reichtum?

So märchenhaft dieses Szenario auch klingen mag, es hat Realität: Denn jeder von uns hat so eine magische Bank – die Zeit. Jeden Morgen bekommen wir 86.400 Sekunden Leben für den Tag geschenkt. Was wir an diesem Tag nicht gelebt haben, ist für immer verloren.

Aber jeden Morgen beginnt sich das Zeitkonto neu zu füllen.
Was also machen Sie mit Ihren täglichen 86.400 Sekunden?

(Nach Marc Levy)

Veröffentlicht unter Philosophie | Verschlagwortet mit
Dieser Beitrag wurde bislang 144 mal gelesen. | 2 Kommentare

Einladung zum Mitmachen

Am gestrigen Montag erreichte den “Z(w)eitgeist” der folgende Mitmachaufruf für einen guten Zweck:

*********************************************************************************

Mit Dir gemeinsam wollen wir das Buch mit den meisten Autoren der Welt schreiben und damit das “Kinderhospiz Löwenherz” unterstützen.

Es ist ganz einfach, es kostet nichts und jeder kann mitmachen.

Herzlich willkommen zu

http://www.derletztesatz.de/

Die Wahrscheinlichkeit des Erfolges dieser Aktion wächst, mit der Häufigkeit der Verteilung dieser Information.

Insofern bitte diese Einladung weiterleiten und ggf. Gebrauch von dem „like“ Button
auf der Homepage machen.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Mindermann
Siemens AG
Universitätsallee 16
28359 Bremen, Deutschland

Veröffentlicht unter Menschen | Verschlagwortet mit
Dieser Beitrag wurde bislang 102 mal gelesen. | 1 Kommentar

Gegenwartsegoismus – grenzenloses Wachstum?

Die Postbank wirbt in schönem Doppelsinn jeden Abend kurz vor der Tagesschau: Unterm Strich zähl ich.” Umweltminister Röttgen hat den Begriff “Gegenwartsegoismus” ins Spiel gebracht für unsere Rücksichtslosigkeit, einfach weiterzumachen wie bisher.

Wir wissen schon lange, dass es so nicht ewig weitergehen kann. Mit dem Wachstum. Mit der Umwelt. Mit den Schulden. Experten behaupten immer noch, dass Schulden am besten mit noch mehr Schulden zu bekämpfen seien. Kaum jemand vermag das noch zu glauben.

Dabei ist der wirtschaftliche Wachstumsgedanke gekoppelt an die Vorstellungen über uns selbst. Unter vormodernen Bedingungen herrschte noch göttlicher Wille – das Leben verlief in unerschütterlich vorgezeichneten Bahnen. Erst mit der Industrialisierung wird der Mensch selber seines Glückes Schmied. Der Mensch ist jetzt nicht mehr, wie er ist, sondern er soll, muss, kann etwas aus sich machen.

Dazu bedurfte es zunächst einer Geschichte der Disziplinierung, bis der Mensch tatsächlich jene Eigenschaften hatte bzw. selber haben wollte, die eine Industriegesellschaft zum Funktionieren eben zwingend braucht: Pünktlichkeit, Selbstdisziplin, Verlässlichkeit und Berechenbarkeit. Das rief die Staatsschulen auf den Plan.

Parallel dazu die Uhr. Und das Geld. Und den Kredit. Ohne dieses Trio ist Marktwirtschaft nicht zu machen. Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Die Veränderungen der Außenwelt erzwingen eine Veränderung der Innenwelt. Werte wie “Selbstverantwortung” werden nun bedeutsam. Der stumme Zwang der ökonomischen Verhältnisse ersetzt nach Marx / Engels die Peitsche des Aufsehers. Der Wecker ersetzt den Hahn auf dem Mist. Wir stehen nicht aus, weil wir ausgeschlafen haben, sondern weil die Arbeit ruft.

Jetzt geht es um ein möglichst erfolgreiches Leben. Stillstand ist Rückgang. Lebenslanges Lernen, nie enden wollende Arbeit. Niemand wird niemals fertig. Das alles erlaubt keine Zeit mehr für andere. Der Generationenvertrag wird aufgekündigt, die Alten kommen ins Heim, die Kinder in die Krippe, das Rentenalter wird kontinuierlich nach hinten verschoben.

Seitdem ist das Leben ist zum Wettlauf um die besten Plätze geworden. Müßiggang ist in Zeiten ständiger Erreichbarkeit nicht mehr angesagt. Die Beschleunigung ist enorm – die meisten sind auch noch stolz darauf, wenn sie die Langsameren überholen oder rechts ranblinken. Wir erliegen dem Wahn eines grenzenlosen Wachstumsglaubens. Das nächste Update kommt immer schneller.

Wir können offenbar nur dann an ein Ende kommen, wenn es nichts mehr zu konsumieren gibt, weil alle Ressourcen verbraucht sind. Nur ein paar Unentwegte Weltverbesserer fordern das Wachstum vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln und glauben noch an ein “Bruttosozialglück”.

(Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel von Harald Welzer im SZ-Magazin vom 16. Dezember 2011.)
Veröffentlicht unter Gesellschaft, Modernes Leben, Wirtschaft | Verschlagwortet mit ,
Dieser Beitrag wurde bislang 114 mal gelesen. | Hinterlasse einen Kommentar