Über Nestwärme und Nestflüchter

Nahezu alle Lebewesen brauchen nach ihrer Geburt eine unterschiedlich lange Phase der Nestwärme, Geborgenheit und elterlichen Fürsorge. Bei Menschenkindern ist diese Zeit besonders lang.

Doch wenn dann der Tag gekommen ist, will auch der menschliche Nachwuchs eigene Wege gehen. Die Jungen brauchen erfahrungsgemäß meist etwas länger als die Mädchen, bis sie sich abnabeln.

Auch gibt es generell eine Varianz von mehreren Jahren: Manches Kind kann gar nicht früh genug verschwinden und möchte am liebsten schon mit 16 Jahren ausziehen, andere wohnen hingegen noch mit 30 gerne im Hotel Mama.

Danach bleiben die Kinderzimmer meist für eine Weile erhalten, und in der Regel ist es der pragmatische Vater, der über eine alternative Verwendung anfängt nachzudenken. Die emotionale Mutter hält solches Ansinnen meist für herzlos – und so dämmert das ehemalige Kinderzimmer einige Jahre in einem Zustand zwischen Baum und Borke dahin.

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“Nicht immer ist der Mensch nur heiter …

er kann auch krank sein undsoweiter.” (Wilhelm Busch)

Man hört, ein ehemaliger Freund sei krank, schwer krank, er könne nicht mehr arbeiten.

Einst hatte man als Student fast alle Tage miteinander verbracht, so manches Mal auch die Ferien oder später Urlaube. Immer war er ein glänzender Unterhalter gewesen, die Damenwelt lag ihm zu Füßen, man hatte viel Gaudi miteinander.

Nach Familiengründung und Umzug aufs Land hatte man immer wieder versucht, Kontakt zu halten – mit mäßigem und nicht anhaltendem Erfolg. Den Einladungen zu Geburtstagsfeiern ist er gefolgt, doch blieben diese ebenso einseitig wie die Kontaktaufnahmen. Irgendwann erkennt man dann, dass die gemeinsame Zeit zu Ende ist und Freundschaft immer eines Bekenntnisses von zwei Seiten bedarf. Der letzte Kontakt ist viele Jahre her.

Man ist im Zweifel, wie nun sich verhalten? Hinzu kommt, dass gewiss nicht jeder Mensch mit seinem gesundheitlichen Zustand gut umgehen kann, darüber reden oder gar Gesellschaft möchte. Das ist unter allen Umständen zu respektieren!

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Im Himmel

Nachdem hier vor einiger Zeit über die Hölle geschrieben wurde, ist es an der Zeit, auch über deren christliches Pendant, den “Himmel”, zu berichten, den man sich wohl ähnlich einem Leben im einstigen Paradies vorzustellen hat.

Kirchenlateinisch leitet sich paradisus vom Griechisch parádeisos = (Tier)park  ab und dieses offenbar wiederum aus dem Persischen, wo es ”Einzäunung, eingezäuntes Stück Land” bedeutet.

Nach christlicher Vorstellung ist der Himmel ein Ort vollendeter Glückseligkeit, die in der unmittelbaren Anschauung Gottes und der damit verbundenen vollkommenen Gottesliebe ihren Ursprung hat. Der Verstorbene lebt als Gestalt, jedoch in einem anderen Seins-Zustand als dem irdischen, an diesem Ort weiter und führt dort ein paradiesisches Leben.

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Arroganz

Wenn wir jemanden als “arrogant” bezeichnen, dann haben wir den Eindruck, dass er sich für etwas Besseres hält.

Gewöhnlich fühlen wir uns unwohl in Gegenwart arroganter Menschen und meiden den Kontakt zu diesen. Arrogante Menschen erreichen mit ihrem überheblichen Verhalten weder – die wohl insgeheim gewünschte – Anerkennung noch Zugehörigkeit.

Neuerdings versucht mancher seine Arroganz durch den Spruch “Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz!” zu legitimieren. Grund genug also, der Sache einmal auf den Grund zu gehen.

Das Wort selber leitet sich vom Lateinischen arrogare = sich anmaßen ab. Letztlich entsteht Arroganz aber aus Unsicherheit: Wenn arrogante Menschen sich nach außen hin hervortun, fühlen sie sich innerlich meist eher minderwertig. Sie erhöhen sich quasi selber, indem sie andere abwerten, erniedrigen oder kleinmachen.

Wer nicht wichtig ist, aber das starke Bedürfnis hat, es zu sein, der muss vor anderen so tun, als ob. Durch Überheblichkeit oder Besserwisserei schafft man sich eine Distanz, um sich zu schützen, in dem Glauben, wenn man anderen das Gefühl gibt, weniger wert zu sein und nicht mit ihnen mithalten zu können, werden diese sie nicht angreifen. Arroganz ist also auch eine Art Selbstschutz.

Nur, wer über eine gesunde Selbstachtung und ein gutes Selbstwertgefühl verfügt oder sich selbst nicht allzu wichtig nimmt, der muss auch nicht wichtiger tun als er ist.

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Ethik und Moral

Auch wenn besonders ältere Mitmenschen das Gegenteil beteuern: Noch nie war die Zahl der Moralpostel so groß wie heute – vielleicht, weil unsere Gemeinschaft sie so dringend braucht? O tempora o mores, klagte einst schon Cicero.

Moral ist dabei nicht gleich Ethik: Ethik ist der übergeordnete Begriff und gibt der Moral die Normen vor. Dabei entsteht der gesittete Umgang von Menschen miteinander weniger durch Einhaltung von Gesetzen, sondern durch gesellschaftlichen Druck – die ungeschriebenen Gesetzes dessen, was “sich gehört” und was nicht, sind unzählig.

Im Laufe der Zivilisation kommt es zu einer Transformation von Außenzwängen (Fremdkontrolle) in Innenzwänge (Selbstkontrolle): Wenn das zoon politikon selber will, was es tut, hat es die polis leichter.

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Plagiator – alles nur geklaut!

Ich gebe es zu: Ich bin ein Plagiator!

Denn alles, was ich weiß und kann, lernte ich von anderen: Von Eltern, Lehrern und Freunden, aus Büchern, Seminaren und dem Internet.

Keine Gedanke, den ich je dachte, war vermutlich neu. Und wenn, dann war doch das zuvor Erlernte die Basis dafür, dass ich den neuen Gedanken überhaupt fassen konnte. Natürlich nenne ich selten die Urheber der Gedanken, denn es sind inzwischen so viele, dass ich die Übersicht verloren habe. Das geht nicht nur mir so. Bereits Goethe formulierte:

“Ich verdanke meine Werke (…) Tausenden von Dingen und Personen außer mir, die mir dazu das Material boten. Es kamen Narren und Weise, helle Köpfe und bornierte, Kindheit und Jugend wie das reife Alter: alle sagten mir, wie es ihnen zu Sinn sei, was sie dachten, wie sie lebten und wirkten und welche Erfahrungen sie sich gesammelt, und ich hatte weiter nichts zu tun als zuzugreifen und das zu ernten, was andere für mich gesät hatten.”

Der Begriff des geistigen Eigentums führt sich somit ad absurdum – wie überhaupt jeder Eigentumsbegriff, denn nichts in dieser Welt ist wirklich unser, wir erklären es nur dazu.

“Denn das ist alles nur geklaut, das ist alles gar nicht meine, das ist alles nur geklaut, doch das weiß ich nur ganz alleine, das ist alles nur geklaut und gestohlen, nur gezogen und geraubt. Entschuldigung, das hab’ ich mir erlaubt.” (Prinzen)

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Wer ist der Souverän?

Mit dem Satz „Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen“ eröffnen Karl Marx und Friedrich Engels im Jahre 1848 das erste Kapitel vom “Manifest der Kommunistischen Partei”.

Ihnen zufolge ist die bisherige Geschichte der Menschheit eine Abfolge von Kämpfen unterschiedlicher Klassen gegeneinander um die Herrschaft.

In Tat ging es historisch in jeder Gesellschaft es um die Frage der Macht. Regierten einst Stammeshäuptlinge, kämpften später im Mittelalter Adel und Klerus um die Macht. Im 20. Jahrhundert verwandelten sich die adeligen Rechte in die Recht des Staates. Heute regiert gar das Volk sich selber, zumindest de jure: “Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.” (GG, Art. 20).

Der Prozess der Staatsbildung führte aber im 18. und 19. Jahrhundert zunächst zu einer Verkleinerung der Anzahl der Konkurrenten, zu einer Monopolstellung einzelner Fürsten und letztendlich zur Bildung eines absolutistischen Staates, in dem die physische Gewalt durch Institutionen  monopolisiert ist.

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Brot und Spiele

Panem et circensesBrot und (Zirkus-) Spiele, das war schon Motto des Römischen Reiches. Kein Staat hat jemals vorher die Manipulation seines Volkes so planvoll und gezielt betrieben. Man wusste, dass man dem Volk genug zu essen und Ablenkung bieten musste, sollte es nicht aufmucken.

Zum Teil verheerenden Zustände in der Stadt Rom waren für den römischen Staat Grund genug, nicht nur Spiele, sondern auch Lebensmittel zu finanzieren. Es brodelte vor allem in den unteren Schichten der römischen civitas. Und so wurde während  circensischer Veranstaltungen auch Brot – panem – in die hungrige Menge geworfen.

Im Kolosseum in Rom konnten bis zu 50.000 Bürger mit Brot versorgt werden und mit den neuesten technischen Raffinessen der damaligen Zeit ausgestattet, bot das Kolosseum die Möglichkeit für alle Arten von Spielen.

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In memoriam – Klaus-Dieter Degode

Es war wohl um das Jahr 1969, dass wir einander kennenlernten. Klaus-Dieter Degode – für uns damals nur kurz “KD” – war Nachbar und Freund meiner damaligen Freundin Conny im Marßeler Feld.

KD, fünf Jahre älter als ich, bewohnte ein Einfamilienendreihenhaus – ein Traum besonders für heranwachsende Jugendliche: Ständig “sturmfreie Bude”! Sein Geld verdiente der gelernte Elektriker seinerzeit als “Operator” im Rechenzentrum vom Klöckner Stahlwerk Bremen – damals übrigens noch mit Hollerith-Lochkarten.

KD war einerseits der Typ, mit dem man hätte “Pferde stehlen” können: Immer hilfsbereit und ein guter Zuhörer – wir Pennäler kamen ja aus einer andere Lebenswelt, das interessierte ihn. Wir hörten damals viel Musik, meistens Jazz – ich erinnere mich an viele Abende in der legendären “Jazz-Mühle im Hafen” von Peter Bruns in OHZ. Natürlich hörten wir auch gerne Rock, andererseits aber auch die Balladen von Hannes Wader, die Stimmungen war damals auch schon unterschiedlich.

Andere gemeinsame Ausflüge führten uns in die “Galerie” gegenüber der Markusallee, eines der ersten Lokale (abgesehen von Piet’s Pinte) in Bremen mit französischer Zwiebelsuppe. Ab und zu gönnten wir uns an Wochenenden auch ein leckeres Essen mit einer Flasche Beaujolais im damaligen Restaurant “Schildkröte” in Borgfeld.

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Alles nur Theorie

Eine Theorie ist laut wikipedia ein System von Aussagen, das dazu dient, Ausschnitte der Realität zu beschreiben, beziehungsweise zu erklären und Prognosen über die Zukunft zu erstellen.

Das Wort “Theorie” stammt ursprünglich aus dem religiösen Bereich. In den Riten der Griechen bedeutete theōría ”anschauen”, “betrachten” bzw. “religiöse Kontemplation”. Wer will, der kann in dem Wort auch theos (θεός – Gott) entdecken.

Theorien sind mithin Annahmen, die man über die Realität macht.

Wenn man jemanden ohne eigene Gegenargumente mundtot machen will, behauptet man am besten “Alles nur Theorie! In der Praxis sieht das ganz anders aus!” Schon Goethe notierte “Grau, teurer Freund, ist alle Theorie // Und grün des Lebens goldner Baum.”

Georg Friedrich Wilhelm Hegel hielt solchen Anfechtungen gekonnt entgegen: “Wenn die Tatsachen nicht mit der Theorie übereinstimmen – umso schlimmer für die Tatsachen.”

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