Kloster Loccum

Foto: Olga Viktorowna

Im Jahre 1964 führte meine erste Klassenfahrt der Realschule Ottersberg mich zum im Jahre 1163 gegründeten Zisterzienserkloster Loccum – alles Wissenswerte über das Kloster erfahren Sie hier.

Vergangene Woche war ich nun erneut dort. In den dazwischen liegenden fast 50 Jahren hat sich viel getan: Einiges habe ich wiedererkannt, anderes war neu.

Die Kirche wurde in den vergangenen zwei Jahren komplett von außen und innen saniert. Ein moderner Glas-Kuppelbau stellt nun ein Café dar. Dass man sein Bankgeschäfte inzwischen selber erledigen und seine Bahnfahrkarten selber ausdrucken muss, daran habe ich mich inzwischen murrend gewöhnt. Aber dass die Teilnehmer einer „Hora“ selber singen müssen, das war mir in der Tat doch neu. Nur der große Klosterwald liegt so ruhig wie immer dar – ein Spaziergang darin ist Pflicht.

Der Verein „Klosterstube Loccum e.V.“ betreibt ehrenamtlich in der ehemaligen Frauenkapelle im Torhaus einen „Eine-Welt-Laden“. Dort findet man fair gehandelte Artikel wie Kaffee, Tee, Gewürze, Schokolade, Textilien, Kunsthandwerk, Schmuck, Holzspielzeug und Instrumente. Bücher zu Fragen des Glaubens und Lebens, Spruch-, Gruß- und Unicef-Karten und Kalender runden das Warenangebot ab. Die Klosterstube ist auch erste Kontaktstelle für Touristen und Besucher und lädt bei Tee oder fair gehandelten Kaffee zum Verweilen ein.

Mit dem Gewinn fördert man Programme zur Ernährung, zur medizinischen Versorgung oder zur Ausbildung in Schule und Beruf in Entwicklungsländern und in Osteuropa.

In diesem Jahr feiert man 850-jähriges Bestehen. Dazu wurde ein ausgesprochen anspruchsvolles Programm entworfen, das zwischen März und Oktober 26 literarische Veranstaltungen umfasst – wir zitieren aus dem Flyer:

Der erste Samstag des Monats ist für Autorenlesungen bestimmt, für die Günter Grass, Sibylle Lewitscharoff, Joachim Meyerhoff, Raoul Schrott und – als Vertreter der Slam-Poetry – Tobias Kunze ihre Zusage gegeben haben.

Der dritte Samstag des Monats steht unter der Überschrift „Kirche trifft Literatur“: Führende Vertreter der Kirchen (Präses Nikolaus Schneider, Landesbischof Ralf Meister, Bischof Franz-Josef Bode, Margot Käßmann u. a.) predigen über literarische Texte ihrer Wahl.

Die übrigen 15 Abende bieten einen bunten Reigen historischer Themen, der von der Geschichte des Klosters Loccum über die Epoche der Kreuzzüge und die Loccumer Hexenprozesse des 17. Jahrhunderts bis zu den Gefährdungen der NS-Zeit reicht. Andere Abende behandeln das Thema Pilgerfahrten, die Begegnung von Goethe und Mendelssohn in Weimar und den geistvollen Briefwechsel zwischen dem Schriftsteller Carl Zuckmayer und dem Theologen Karl Barth. Der Briefwechsel zwischen Helmuth James und Freya von Moltke ist ein erschütterndes Zeugnis aus der Schlussphase des Zweiten Weltkriegs.

Unterhaltsame Akzente setzen die Programme über Wilhelm Busch, Theodor Fontane, Erich Kästner und den Lügenbaron von Münchhausen. Das Mittelalter-Thema ist literarisch durch die Sagen um König Artus und seine Tafelrunde sowie Hartmann von Aues Legende vom „guten Sünder“ Gregorius vertreten.

Schließlich ist ein Abend im Oktober dem Tischredner und Possenreißer Martin Luther gewidmet. Für die Veranstaltungen konnten bekannte Autoren, prominente Schauspieler und Schauspielerinnen, nicht zuletzt großartige Musiker gewonnen werden, deren Kunst sich an den meisten der 26 Abende mit der Kunst des Wortes verbindet.

Gottesdienst, Lesungen, Vorträge, Konzerte und Feste laden Sie ein zu Erfahrungen mit dem einen Wort, das hält, was es verspricht. Nachdenklich, feierlich, fröhlich, bewegend, für Jung und Alt.“

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2 Antworten zu Kloster Loccum

  1. Sehr geehrter Herr Heidtmann, da kann man nur für den netten Eintrag danken und ich persönlich freue mich, dass Sie während Ihres Loccum Aufenthalt auch den Eine-Welt-Laden „Die Klosterstube e.V.“ besucht haben. Wir sind in der 36.Saison und arbeiten ehrenamtliche für Projekte weltweit, die unsere direkte Hilfe benötigen.
    Mit freundlichen Grüßen.

  2. Sonja Eden sagt:

    Ich war schon häufiger zu einem Seminar im Kloster Loccum während meiner Zeit als Elternvertreter. Die evangelische Landeskirche hat sich zum Ziel gesetzt, die Elternvertretungen in Niedersachsen zu unterstützen, zusammenzuführen, was auch gelingt. Es gibt Vertreter/innen von Borkum bis Goslar. Man sucht sich kleine Gruppen für Arbeitsgemeinschaften, z.B. Ganztagsschulen, wie setzt man das um? Da gibt es schon Leute, die das kennen, es gibt gute Tipps. Das interessanteste Seminar war mit Margot Kässmann, schon ein Erlebnis, sie so nah zu erleben, wir saßen ihr praktisch gegenüber und konnten sie zu vielen Dingen um ihre Meinung fragen. Eine beeindruckende Frau!

    In der Mittagspause gab es immer eine Klosterführung, dazu gehörte natürlich auch der Eine-Welt-Shop, aus dem ich nie ohne ein Buch ging. In Erinnerung ist mir geblieben, dass die Zisterziensermönche vor ihren Bänken auf dem Altar Holzklappen hatten, die man hochheben musste, wenn man hinein- oder hinausgehen wollte. Dann bat man den Nachbarn: „Halt doch mal die Klappe!“ So soll angeblich dieser Ausspruch entstanden sein.

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