Über den Reichtum

Wieso sind bzw. werden manche Menschen eigentlich so immens reich?

a) Sie haben eine orginelle Idee, die am Markt auf einen großen Bedarf trifft
b) Sie haben den Reichtum geerbt oder geheiratet
c) Sie zahlen den Menschen, die für sie arbeiten, deutlich zu wenig
d) Sie sind kriminell und bereichern sich unrechtmäßig

Als Regelfalll können wir in kapitalistischen Wirtschaftssystemen den Fall c) annehmen. Marx/Engels haben mit ihrer Theorie des „Mehrwerts“ einst die Differenz zwischen Tauschwert der Arbeit und dem Tauschwert der von den Arbeitern produzierten Güter hinlänglich beschrieben.

Moderne Begrifflichkeiten und Reizworte in diesem Zusammenhang sind „400-Euro-Job“, „Mini-Job“, „Hartz IV“, „1-Euro-Job“ und „Mindestlohn“. Das Interesse der Arbeitgeber ist es, Arbeitskraft (und Produktionsmittel) so preiswert wie möglich einzukaufen. Das Interesse der Arbeitnehmer ist es, ihre Arbeitskraft so teuer wie möglich zu verkaufen. Im angeblich freien Spiel der (Markt-) Kräfte mag das idealiter aufgehen, in der reglementierten Marktwirtschaft realiter hingegen eher nicht.

Das Ergebnis ist, was der für seine hochdotierten Vorträge bekannte Kanzlerkandidat Peer Steinbrück vornehm und gleichzeitig verklärend als  „Einkommensspreizung“ bezeichnet, und was andere als zunehmende Verarmung betrachten – Marx/Engels hatten es schlicht  „Pauperismus“ genannt.

Letztlich haben wir es konkret mit einer staatlich geregelten Verarmungstendenz breiter  Bevölkerungsschichten zu tun, bei der ein immer größerer Teil immer weniger von seinem erzielten Einkomen leben kann – und gleichzeitig ein immer größerer anderer Teil immer reicher wird.

Das ist an sich nichts Neues unter dem Firmament. Nur waren einst nahezu alle politischen Parteien mit ganz anderen Zielen in die neue Republik aufgebrochen. Daher heute die Preisfrage: Von welcher Partei stammt dieser programmatische Ansatz aus dem Jahre 1947?

„Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. Nach dem furchtbaren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen Machtpolitik kann nur eine Neuordnung von Grund aus erfolgen. Inhalt und Ziel dieser sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein. Durch eine gemeinschaftliche Ordnung soll das deutsche Volk eine Wirtschafts- und Sozialverfassung erhalten, die dem Recht und der Würde des Menschen entspricht, dem geistigen und materiellen Aufbau unseres Volkes dient und den inneren und äußeren Frieden sichert.“

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2 Antworten zu Über den Reichtum

  1. Everhart Bilker sagt:

    „Im demokratischen Staat muß sich jede Macht öffentlicher Kontrolle fügen. Das Interesse der Gesamtheit muß über dem Einzelinteresse stehen.“
    „Ziel sozialdemokratischer Wirtschaftspolitik ist stetig wachsender Wohlstand und eine gerechte Beteiligung aller am Ertrag der Volkswirtschaft, ein Leben in Freiheit ohne unwürdige Abhängigkeit und ohne Ausbeutung.“

    Das stand u. a. im Godesberger Programm und war gar nicht so weit von Ahlen entfernt. (170 km)
    Welch große Sätze und Hoffnungen und welch elendiges Geschachere in der heutigen Zeit.
    Es ist zum Heulen – zum Fäuste schwingen fühl ich mich leider zu alt.

  2. Man muss ja nicht handgreiflich werden – das Wort ist auch eine scharfe Waffe.

    Und tendenziell 50% Nichtwähler sind ebenfalls ein beredtes Zeugnis dafür, was die meisten Bundesbürger von den etablierten Partein halten. Es ist ein Kaspertheater (ich möchte aus historischen Gründen hier auch lieber nicht den Begriff „Quasselbude“ strapazieren).

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