Barrierefreies Alter?

Die Gesellschaft macht sich zunehmend Gedanken über das zunehmende Alter ihrer Bürger. Alt werden hat nämlich nicht nur Sonnenseiten.

Viele alte Menschen sind inzwischen in Senioren- und Pflegeheimen untergebracht. Ihre Nachkommen sind beruflich, materiell oder nervlich dermaßen gebeutelt, dass der Generationenvertrag nicht mehr von ihnen erfüllt werden kann. Vielleicht herrscht auch nur ein anderes Selbstverständnis, denn inzwischen gibt es die gesetzlich vorgeschriebene „Pflegeversicherung“ – und in ihrer Folge eine riesige Dienstleistungsbranche. Man hat also einen Anspruch auf externe Pflege.

Viele Menschen machen sich ab etwa dem fünften Lebensjahrzehnt Sorgen darüber, wie sie denn im Alter wohnen möchten. In Konsequenz werden Häuser und Wohnungen altersgerecht saniert oder neu gebaut. Man möchte später „barrierefrei“ wohnen: Duschen mit Beckenrand oder gar Badewannen mit hohem Einstieg, das geht nicht mehr! Treppen vor oder im Haus? Ein Ding der Unmöglichkeit! Alles muss ebenerdig sein.

Manch anderer hat sich schon vor Jahrzehnten in eine Seniorenresidenz wie zum Beispiel die „Bremer Heimstiftung„eingekauft, ein Altenwohnheim, wo man zunächst vom Wohnen in den eigenen vier Wänden, über die Inanspruchnahme von Pflegeangeboten bis hin zu ärztlichen Versorgung bis Pflegestufe 3 je nach Bedarf alles abrufen kann.

Doch will man das? Das Bespaßungsangebot ist in solchen Heimstätten meist übersichtlich: Mittwochs ist immer Bingo in Lueßen’s Privatpension. Im Senioren- und Pflegheim Metzentin fällt das Sommerfest oft wegen schlechten Wetters aus. Überall aber sitzen Heimbewohner und warten. Worauf? Auf die Verwandtschaft – die kommt maximal alle 14 Tage für eine Stunde. Auf die ehemaligen Freunde – die sind längst verstorben oder den noch Lebenden gruselt’s vor der Realität des Alters, dem Verfall, den Gebrechen, der Einsamkeit. Darauf, dass es bald wieder etwas zu essen gibt? Dass die Zeit vergeht? Auf den Tod? Viele dämmern ohnehin nur noch sediert vor sich hin. Alle machen exorbitante Kosten.

Die Frage ist, ob man überhaupt kaserniert mit anderen alten Menschen gemeinsam auf den Tod warten will? Gewiss, alternative Wohnformen von Jung und Alt sind da eine interessante Lösung.

Wäre da nur nicht dieser angeborene Überlebenstrieb! Wieso muss man auf Biegen und Brechen uralt werden wollen? Wer will das außer den Betroffenen selber? Die Kinder? Die Gesundheitsbranche?

Mancher kann es nicht mehr hören. Mancher will davon lieber nichts wissen.
Mancher will da lieber gar nicht erst alt werden.

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