Schiffbrüchig – in Lampedusa

Eine uralte menschliche Pflicht, wenn nicht gar Reflex ist es, Menschen in Not zu helfen. Natürlich wurde und wird dieser Grundsatz nicht immer 100%ig erfüllt, das können wir schon in der Bibel nachlesen („Gleichnis vom barmherzigen Samariter„).

Die Pflicht zu Hilfe galt immer schon in der Seefahrt. Jeder Seemann weiß, dass er wie selbstverständlich in Seenot geratenen Menschen zur Hilfe kommen muss. Jetzt stelle ich mir seit Monaten die Frage, wie sieht das denn für die Flüchtlinge im Mittelmeer aus? Sie werden von Schleusern oft in seeuntüchtigen Nussschalen auf die ungewisse Reise nach Europa geschickt. Sie können auf diesen Fahrten gar nicht anders als in Seenot geraten. Natürlich werden die in Schiffbrüchigen gesichtet und könnten gerettet werden. Wohlgemerkt sie könnten – wenn die anderen Seemänner ihnen helfen würden, wie es allgemeines Gesetz für jeden Seemann ist.

Doch sie wenden sich aber ab und lassen die Menschen jämmerlich verrecken. Wie inzwischen bekannt ist, handeln sie nicht aus sich heraus, denn das widerspricht jedem seemännischen Grundprinzip, sondern aufgrund einer politischen Anordnung. Angeblich gibt es ein italienisches Gesetzt, das verbietet, den Schiffbrüchigen zu helfen – oder gilt das schon für Europas Politiker – und der allgemeine Aufschrei nach den letzten Geschehnissen ist pure Heuchelei?

Ein Gesetz verbietet ihnen durch Androhung drastischer Strafen die Rettung der Schiffbrüchigen. Diese Tatsache muss man sich einmal vor Augen führen: Hierbei handelt es sich um Menschenrechtsverletzungen im extremsten Fall – und das unter den Augen der gesamten Welt.

Natürlich sind die Flüchtlingsströme für viele Länder ein Problem; doch die Politik kann unmöglich Anordnungen herausgeben, dass die Schiffer vor den Verunglückten den Kurs wechseln und sie erbärmlich absaufen lassen! Selbst in Kriegszeiten, als eine Seeschlacht vorbei war, haben alle, die noch über schwimmfähige Untersätze verfügten, sich bemüht den Schiffbrüchigen zu helfen und sind nicht einfach abgedampft.

Anstatt gemeinsam nach Lösungen zu suchen, lassen wir die Menschen einfach verrecken. Wie tief kann Politik eigentlich noch sinken? Ich weiß, dass das Problem weitaus vielschichtiger und problematischer ist; doch so schafft man keineswegs Lösungen. Haben wir Europäer die Dramatik von Flucht schon vergessen?

Dieser Beitrag wurde unter Gastbeitrag abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar