Beharrungsvermögen – oder Altersstarrsinn?

Alten Menschen wird eine gewisse Sturheit und mangelnde Flexibilität nachgesagt.

Als Starrsinn bezeichnet man die Geisteshaltung einer Person, die von Unnachgiebigkeit, Eigensinn oder auch geistiger Unbeweglichkeit geprägt ist.

Im Zusammenhang mit älteren Menschen wird dafür wissenschaftlich gerne der Begriff „kristalline Intelligenz“ (vulgo: „Altersstarrsinn“) benutzt.

Der Psychologe Clemens Tesch-Römer, Institutsleiter des Deutschen Zentrums für Altersfragen in Berlin, meint, eine Einschränkung der geistigen Flexibilität sei keine Frage des Alters, sondern hänge maßgeblich mit dem Lebenslauf einer Person zusammen. Die Fähigkeit der „kristallinen Intelligenz“ (im Gegensatz zur „fluiden“ im jungen Alter) entspräche dem Potenzial, Wissen und Erfahrung anzusammeln und zu nutzen.

Die kristalline ist von der fluiden Intelligenz abhängig. Die fluide Intelligenz umfasst die Grundfähigkeit des Denkens überhaupt, die kristalline kulturbedingtes Wissen und Lernerfahrungen. Zwischen beiden besteht eine enge Verbindung, denn die zu Wissen kristallisierten Fähigkeiten und Lernerfahrungen werden schließlich von der Qualität der fluiden Intelligenz entwickelt und bestimmt.

Abschließend zur Beruhigung: Das Bayerische Oberste Landesgericht hat festgestellt, dass Altersstarrsinn für sich allein betrachtet keine psychische Krankheit oder geistige oder seelische Behinderung darstellt, die etwa das Einschalten eines Vormundes oder eines Betreuers nötig mache (vgl. BayObLG BtPrax 2002, 37).

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2 Antworten zu Beharrungsvermögen – oder Altersstarrsinn?

  1. Katanka sagt:

    Tja, wählen dürfen sie also gehen, die alten und jungen Menschen, die nicht mehr den Segen fluider Intelligenz genießen dürfen.
    Ist es nicht auch so, dass kristalline Intelligenz gefördert wird?
    Starrsinnige und lineare Erziehung von Elterhaus bis Schule, Starrsinnige lineare Lohnarbeit.
    Wer soll da noch frei denken können?
    Flexibilität wird nur auf dem Arbeits-, Wohnungs- und Liebesmarkt gefordert.
    Ansonsten hat man brav den Hans zu mimen und zu tun was die Gesellschaft (eine kleine Elite) fordert.

  2. Karl-Heinz Heidtmann sagt:

    Da scheint es durchaus einen Zusammenhang zu geben, wie ich gerade auch in meinem Beitrag über „Bildung“ geschrieben habe: Das Memorieren und Abrufen von Wissensinahlten / Informationen ist eindeutig kristallin. Die meisten Schulen und Hochschulen haben sich mE schon lange von jeglicher Kreativität und somit Förderung fluider Intelligenz verabschiedet. Freidenker kann unser Staat weiterhin nicht gebrauchen. Wer zu frei denkt – siehe Beitrag Günter Grass – muss mit erheblichen Sanktionen rechnen!

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