Mein Freund Peter

Fangen wir gleich mit einem Geständnis an: Mein Freund Peter heißt natürlich gar nicht Peter. Eigentlich heißt er Klaus – und selbst das stimmt nicht.

Ganz gleich, als gesichert gilt, dass Peter 63 Jahre alt ist. Gelernt hat er einst wohl Kaufmann. Doch diesen Beruf übt er seit vielen Jahren nur noch ab und zu oder eher „nebenbei“ aus. Ebenfalls so nebenbei betreibt er einen kleinen Handel in der alten Hansestadt am Meer.

Seine zweite Frau ist Polin. Sie hat keine Arbeit hier gefunden, als sie vor etwa zehn Jahren nach Deutschland kam. Ab und zu putzt sie wohl bei anderen Menschen, steuer- und sozialabgabenneutral. Wir dürfen daher vermuten, dass Peter und seine Frau vor allem von Hartz IV-Leistungen leben – ohne an dieser Stelle in das Lamento der Wohlhabenden zu verfallen, die über Sozialleistungsmissbrauch klagen. Denn gewiss sind Peter und seine Frau nicht mit Reichtümern gesegnet. Oft geht er für 1,50 Euro bei IKEA frühstücken.

Peter ist übergewichtig, raucht wie ein Schlot und hat kaum noch einen Zahn im Mund. Für eine ordentliche Instandsetzung seines Gebisses fehlt ihm einfach das Geld. Mancher würde sagen, er sähe aus wie ein Penner. Und bei Lichte betrachtet würde keiner mit Peter tauschen wollen.

Doch auf den zweiten Blick ist Peter ein beneidenswerter Mensch. Nie hört man ihn klagen. Nichts kann seine gute Laune trüben. Eine große Gelassenheit zeichnet ihn aus. Er hat Humor. Peter ist das, was mancher wohl als einen Lebenskünstler bezeichnen würde. Er kommt zurecht. Er hat immerhin genug Geld, um ein gebrauchtes, altes japanisches Auto zu fahren, zu schmöken und seinem Musikantenhobby nachzugehen.

Peter ist übrigens überaus zuverlässig und hilfsbereit. Er ist ein wahrer Freund. Wenn er doch nur etwas mehr auf sein Äußeres achten würde!

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