Interventionen – Barlach in Münster – Johanneskirche

Foto: hwk

Man muss sie schon finden, die kleine Kapelle, etwas entfernt von der Straße zwischen Büschen und Bäumen. Kein Turm schmückt diesen aus Backstein gestalteten Saalbau. Wie vielen alten kirchlichen Gebäuden haftet auch dieser Kapelle eine wechselvolle Geschichte an. Am ersten Advent 1948 wurde erstmals wieder Gottesdienst in ihr gefeiert und ist seitdem ist sie evangelische Filialkirche und ökumenischer Treffpunkt (erstes evangelisches Kirchengebäude in der Innenstadt). Der Bezug zum Johanniter-Ritterorden ist in vielen Details erkennbar.

In dieser kleinen Kapelle nun gibt es lediglich eine Skulptur von Ernst Barlach, den schwebenden Engel oder auch das „Güstrower Ehrenmal“. Das ist auch gut so; denn jedes Teil mehr wäre zu viel und nähme dieser weltweit bekannten Skulptur die Anerkennung. Zwei erläuternde Textfahnen weisen auf viele Zusammenhänge hin.

Ernst Barlach hat diese Skulptur zum Gedenken an die Opfer des ersten Weltkrieges und zugleich als Mahnmal des Friedens geschaffen. 1927 wurde der Engel im Güstrower Dom aufgehängt. In dieser Zeit jedoch unterschied sich das Verständnis von Denkmälern des Krieges sehr. Man wollte eine Heldenverehrung und Barlach wollte immer an die Sinnlosigkeit erinnern, die Trauer, Schmerz und Leid darstellen. Alle seine Werke weisen diese Handschrift und Aussage auf.

Schon bald kam das Gerücht auf, dass die Gesichtszüge dieses Ehrenmals denen der Künstlerin Käthe Kollwitz gleichen. Er selber soll dazu gesagt haben: „In den Engel ist mir das Gesicht vom Käthe Kollwitz hineingekommen, ohne dass ich es mir vorgenommen hatte. Hätte ich so etwas gewollt, wäre es mir wahrscheinlich missglückt”.

Die immer heftigeren Kritiken an den Werken von Ernst Barlach führten schließlich dazu, dass der Engel 1937 aus dem Dom entfernt und später von den Nationalsozialisten zerstört wurde. 1942 entstand jedoch ein Sicherungsguss, der den Krieg in einem Versteck überdauerte. Heute gibt es 3 Güsse: im Güstrower Dom, im Landesmuseum in Schloss Gottorf und im Ernst Barlach Museum in Wedel (der Sicherungsguss befindet sich in der Antoniterkirche in Köln).

Diese ganze Entwicklung, die Vernichtung seiner wertvollen und wichtigen Werke, der Umgang mit ihm, die Verachtung, die ihm seitens der Nazis zuteil wurde, verletzten in tief. Nach langer, schwerer Krankheit stirbt er am 24. Oktober 1938.

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