Die Queen zu Besuch

Die Meisten unter Ihnen werden vermutlich nicht an eine menschliche Queen denken – sondern eher an ein Schiff.

Für Dienstag, den 24. Juli, war der Besuch der „Queen Elizabeth“ in meiner Heimatstadt Kiel angesagt. Es ist der erste Besuch dieses Passagierdampfers und eines Passagierdampfers dieser Größe. Mittlerweile ist Kiel der Hafen mit den meisten Kreuzfahrtschiffe im Jahr. So bietet sich gerade in den wärmeren Zeiten immer ein imposanter Anblick im Hafen – zusätzlich zu den Fähren, die sowieso ständig da sind, aus Skandinavien und dem Baltikum.

Da ich selber zur See gefahren bin und Kiel meine Heimatstadt ist, habe ich natürlich eine ganz besondere Beziehung zu Schiffen, Häfen, Meer und allem, was dazu gehört. Gerne wollte ich deshalb an diesem Tag in Kiel sein, und auch möglichst mit einem Schiff der „Queen“ entgegenschippern. Nur, es ist zugegeben schon eine wenig verrückt: Morgens um 03:00 Uhr los und abends gegen 18:00 Uhr zurück, ca. 800 km hin und zurück und wenn alles gut klappt, etwa acht Stunden Fahrt – das alles für nur drei Stunden auf der Kieler Förde, um das Schiff zu empfangen. Doch mein Wunsch war intensiv genug, und so ich habe einen Platz auf einem Fördedampfer gebucht.

Das Wetter war gut als ich losfuhr, und es hielt sich den ganzen Tag. Pünktlich war ich am Ziel und damit an Bord der „Heikendorf“. Die würzige Luft empfing mich, das Förderwasser war tiefblau, eine ruhige Stimmung – und alles war gut! Die Kieler Förde schneidet sich bis tief in die Innenstadt, und die Fördedampfer, Fähren und auch die Werft sieht man schon, wenn man aus dem Bahnhof kommt.

Die Fahrt ging los, und alle waren gespannt auf den ersten Moment, wenn die Queen am Horizont erscheinen würde. Es verursacht in mir nach wie vor das gewisse Kribbeln und eine Gänsehaut, wenn ein Schiff ablegt, sich trennt vom Festland oder einem anderen Schiff begegnet und mit dem Typhon (Schiffshorn) einen Gruß austauscht.

Dann plötzlich konnte man sie sehen, ganz klein noch am Horizont, daneben der „Friedrichsorter Leuchtturm“ – die engste Stelle in der Förde und davor noch einen kleineren Passagierdampfer, der allerdings Richtung Kanal nach Steuerbord abdrehte. Viele Schiffe und Boote unterschiedlicher Größe fuhren der „Quenne“ entgegen und geleiteten sie zum Liegeplatz. Wasserfontänen wurden zur Begrüßung gespritzt und viele Schiffssignale eröffneten ein ganz besonderes und eigenes Konzert.

Was für ein Anblick, welch‘ eine Dimension – und schön ist sie auch noch, die „Queen“! Das ist heute leider nicht mehr normal; denn meistens geht es um die Rendite und nicht um die Schönheit und Ästhetik: Heute sehen manche Schiffe aus wie schwimmende Schuhkartons. Das Schwesterschiff „Queen Mary 2“ ist mE allerdings noch eleganter in der Linienführung).

Alle sind ganz begeistert und fotografieren und winken und rufen zur Begrüßung. Unwahrscheinliche Menschentrauben haben sich an den verschiedenen Uferzonen der Förde eingefunden und begrüßen Schiff, Passagiere und Besatzung. Aufgrund der Beschaffenheit des Hafens, kann das Schiff am Landungssteg noch komplett gedreht werden, damit es für das Auslaufen gleich in der richtigen Position steht.

Wir fuhren dann mit unserem Dampfer noch ein wenig durch die Förde und genossen die schöne Seefahrt bei strahlendem Wetter. Später bin ich natürlich noch zum „Ostseekai“ gegangen, um das Schiff dort liegen zu sehen – die gewaltigen Ausmaße blieben nicht ohne Wirkung. Hier in der Innenstadt kam der Verkehr praktisch zum Erliegen, so viele Menschen waren unterwegs, um das Schiff zu bestaunen (dazu kamen noch ca. 1.300 neue Passagiere, die mit nach Southampton fahren wollten und andere, für die die Fahrt hier zu Ende war).

Verrückt, mögen manche von Ihnen jetzt sicher denken. So ist es vielleicht auch. Doch ich liebe Schiffe und alles drum herum. Natürlich hat die Kreuzfahrerei auch ein Schattendasein, denn sie ist ein Teil der CO2-Vergiftung, der Umweltverschmutzung, der Ausnutzung von ausländischem Personal zu Dumpinglöhnen und vieles andere mehr.

Trotzdem, für mich war es ein sehr schöner Tag und ein tolles Erlebnis – wann fahren Sie mal wieder an die Küste oder an die See?

Hans-Werner Kleindiek

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2 Responses to Die Queen zu Besuch

  1. Dieter Osmers sagt:

    Neulich, beim Hafengeburtstag in Hamburg gab es die beiden Cunard Schiffe “ Queen Elizabeth“ und „Queen Mary 2“ im Doppelpack zu sehen. Als kleine Zugabe dann noch eines der AIDA Kreuzfahrtschiffe.
    Unbestritten, das ist schon ein majestätischer Anblick, wenn diese Schiffe in den Hamburger Hafen einlaufen. Und das, dank modernster Technik, ganz ohne Schlepperhilfe.
    Das Kreuzfahrtgeschäft boomt. Immer mehr neue Schiffe laufen vom Stapel, um die Nachfrage nach Luxuskreuzfahrten zu befriedigen.
    Ich selbst war vor vielen Jahren einmal in Southampton zu einer kurzen Besichtigung auf der „QE2“,die mittlerweile im Hafen von Dubai einer ungewissen Zukunft entgegensieht.
    Wenn man in Schiffen dieser Kathegorie umherwandelt, vergisst man sehr schnell dass man sich auf einem schwimmenden Seefahrzeug befindet.
    Shoppingmalls, Lifte die über viele Stockwerke Passagiere auf die Kabinendecks befördern, erinnern eher an ein Luxushotel auf dem Festland, denn an ein Schiff.
    Die Passagiere wollen rund um die Uhr mit dem Feinsten abgefüttert werden, was eine Sterneküche hergibt.
    Unterhaltungsprogramme halten die Passagiere bei Laune.
    Bürgerinitiativen protestieren mittlerweile gegen diese Giganten der Meere.
    Trotz modernster Motorentechnik schleudern diese Schiffe so viel Ruß und Feinstaub in die Atmosphäre wie 100tausende von Autos.
    Autos ohne entsprechender Abgasplakette dürfen nicht mehr in die Innenstädte einfahren. Luxusliner fahren aber mit gutbetuchten Passagieren ungeniert zum Kreuzfahrtterminal mitten in der Hamburger Innenstadt.
    Mit Seefahrtsromantik haben solche Kreuzfahrten schon lange nichts mehr zu tun.
    Kein Vergleich mit einem Segeltörn auf einem alten Segelschiff aus Holz ohne Motorenantrieb mit Abgasen. Gibt es etwas Schöneres, als wenn ein Segelschiff nur vom Wind angetrieben, ohne Motorengeräusch durch die Wellen kreuzt?
    Man hat noch das Gefühl, dass man sich auf einem Schiff befindet. Mit allen Konsequenzen wie Seekrankheit und Dienst mit 3 Wachen.
    Was hat ein Passagier eines Kreuzfahrtschiffes nach der Reise zu erzählen?
    Die Menge des Kaviars beim Bufett, der Händedruck des Kapitäns beim Kapitänsdinner, die Gala im riesigen Festsaal mit Frack und Abendkleid?
    Wie ärmlich.

  2. Hans-Werner Kleindiek sagt:

    moin, moin sehr geehrter Herr Osmers,

    vielen Dank für Ihren Kommentar zu meinem Bericht. Ich stimme Ihrem Text selbstverständlich komplett zu (auch die kritischen Momente).
    Ich verstehe das Anliegen der Bürgerinitiativen sehr gut und gebe ihnen recht, auch wenn mich (wie ich es beschrieben habe) Schiffe, Häfen, Meer und alles was dazu gehört begeistern und faszinieren (da ich nun mal an der Küste geboren und auch selber zu See gefahren bin).

    Natürlich hat diese Seite (Kreuzfahrtschiffahrt) auch ein Schattendasein, denn es ist Teil der CO2 Vergiftung, der Umweltverschmutzung, der Ausnutzung von ausländischem Personal zu Dumpinglöhnen und vieles andere mehr. Die Kreuzfahrerhäfen leiden unter der Luftverschmutzung; denn die Maschinen laufen auch im Hafen durch.
    Leider gibt es für die Handelsschiffahrt nicht die Auflagen der Marine. Dort haben alle Schiffe einen Landanschluss und schalten die Maschinen aus. Warum man nicht in der Lage ist, dieses auch an den Kreuzfahrerterminals einzurichten ist mehr als fragwürdig (dann kennt man nur den Hinweis auf die Kosten). Allerdings, wenn wir ehrlich sind, dann gilt das auch für den Fliegertourismus, oder glaubt etwa jemand, das Flugzeuge nicht zur Umweltverschmutzung beitragen? Ganz zu schweigen von den Regionen, in denen ganze Massen an Touristen hingeflogen werden, Hotels wie Pilze aus dem Boden schießen, ganze Landstriche verwüstet werden (Feuer gelegt wird, um Boden für Hotels zu gewinnen) usw………… Eine Kette ohne Ende, an der wir alle irgendwo hängen.
    Anders gesehen, hängen jede Menge Arbeitsplätze an diesem Geschehen. In Kiel konnte ich das stets gut verfolgen: viele kleine Firmen, die Zulieferer sind, wenn ein Kreuzfahrer anlegt – Reinigungspersonal, das wie Ameisen ausschwärmt, um alles wieder herzurichten für die nächste Fahrt, Taxis, die die Passagiere befördern, ebenso wie Busse und Bahn. Es herrscht ein unwahrscheinliches Treiben, und es gehört eine logistische Meisterleistung zu der gesamten Abwicklung dazu, bis das Schiff wieder ablegt. Es ist also wie so Vieles in unserer Zeit eine Abwägung was wir wollen und was uns was Wert ist? Oder wie kürzlich jemand sagte: dieser ganze Kreuzfahrermist der abgehobenen Gesellschaft – da fliege ich doch lieber 2 bis 3 Mal nach Malle (offensichtlich Mallorca) und habe meinen Spaß am Ballermann…. Eben alles eine Frage des persönlichen Empfindens. Hierzu ließe sich wahrlich sehr viel sagen und weitere Beispiele heranziehen. Trotzdem war es für mich ein sehr schöner Tag und ein tolles Erlebnis.
    Wobei, und da möchte ich wieder bei Ihnen anknüpfen, mit einem Segelschiff fahren hat schon was (wenn es dann auch nach alter Sitte gesegelt wird, und nicht wie z.B. auf der Seacloud alles mechanisch oder elektrisch funktioniert und eine elitäre Gesellschaft nur zum Vergnügen an Bord ist). Ich hatte einmal das große Glück, mit der alten „Alexander von Humboldt“ einen Törn zu segeln. Dort ist ausschließlich Handarbeit gefragt, und man ist ganz schnell Teil der Besatzung und nimmt an der Bordroutine Teil. Das war ein tolles Erlebnis.
    Ansonsten liebe ich eher die alten Schiffe (größtenteils eleganter in der Linienführung und ein ruhigeres fahren) (wie z.B. auf dem alten Eisbrecher „Wal“). Der fährt noch (wie viele der alten noch fahrtüchtigen Museumsschiffe) natürlich mit Kohle, und auch das ist leider nicht gerade umweltfreundlich.
    Es bleibt also immer die große Frage wie man sich entscheidet und warum. Solange wir es nicht übertreiben, dürfen wir uns diesen kleinen Luxus auch mal gönnen (und für mich müssen es nicht die riesigen Kreuzfahrtschiffe zum Mitfahren sein – ich will ja schließlich die Seefahrt genießen).
    Herzliche Grüße
    Hans-Werner Kleindiek

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