Szenen einer Ehe

Sagt er zu ihr: „Wenn Du um 11:00 Uhr losfährst …“
Unterbricht sie ihn scharf: „Ich fahre schon um 10:00 Uhr los!“

Weiter kam er leider nicht mehr bei seinen Überlegungen, wann er seine Frau wohl zurückerwarten könne nach ihrem Ausflug mit den Patenkindern. Und das schon beim Teeaufbrühen, also im Morgengrauen – ein Wort, das auf diese Weise eine neue, traurige Bedeutung bekam.

Bekvechten“ – maulkämpfen, nennt man im Niederländischen passend eine Kommunikation wie diese. Kennen Sie das auch: Man(n) kann entweder keinen Satz zu Ende reden oder bekommt  auf eine Aussage postwendend einen geharnischten Gegenstandpunkt, der ihn sofort ins Unrecht setzt? Oder der Liebling sagt: „Du brauchst gar nicht weiterreden, ich weiß schon genau, was Du sagen willst!“

Loriot hat solche Szenen einer Ehe auf humorvolle Weise beschrieben, zB hier:
Ein Ehepaar sitzt am Frühstückstisch. Der Ehemann hat sein Ei geöffnet und beginnt daraufhin das folgende Gespräch.
Er: „Berta!“
Sie: „Ja…“
Er: „Das Ei ist hart!“
Sie: (schweigt)
Er: „Das Ei ist hart!“
Sie: „Ich habe es gehört…“
Er: „Wie lange hat das Ei denn gekocht?“
Sie: „Zu viel Eier sind gar nicht gesund…“
Er: „Ich meine, wie lange dieses Ei gekocht hat…“
Sie: „Du willst es doch immer viereinhalb Minuten haben…“
Er: „Das weiß ich…“
Sie: „Was fragst du denn?“
Er: „Weil dieses Ei nicht viereinhalb Minuten gekocht haben kann!“
Sie: „Ich koche es aber jeden Morgen viereinhalb Minuten!“
Er: „Wieso ist es dann mal zu hart und mal zu weich?“
Sie: „Ich weiß es nicht, ich bin kein Huhn!“
Er: „Ach…! Und woher weißt du, wann das Ei gut ist?“
Sie: „Ich nehme es nach viereinhalb Minuten heraus, mein Gott!“
Er: „Nach der Uhr oder wie?“
Sie: „Nach Gefühl. Eine Hausfrau hat das im Gefühl.“
Er: „Im Gefühl? Was hast du im Gefühl?“
Sie: „Ich habe es im Gefühl, wann das Ei weich ist.“
Er: „Aber es ist hart. Vielleicht stimmt da mit deinem Gefühl was nicht.“
Sie: „Mit meinem Gefühl stimmt was nicht? Ich stehe den ganzen Tag in der Küche, mache die Wäsche, bring deine Sachen in Ordnung, mache die Wohnung gemütlich, ärgere mich mit den Kindern rum, und du sagst, mit meinem Gefühl stimmt was nicht?“
Er: „Ja, ja, wenn ein Ei nach Gefühl kocht, dann kocht es eben nur zufällig genau viereinhalb Minuten!“
Sie: „Es kann dir doch genau ganz egal sein, ob das Ei zufällig viereinhalb Minuten kocht. Hauptsache, es kocht viereinhalb Minuten!“
Er: „Ich hätte nur gern ein weiches Ei und nicht ein zufällig weiches Ei! Es ist mir egal, wie lange es kocht!“
Sie: „Aha! Das ist dir egal. Es ist dir auch egal, ob ich viereinhalb Minuten in der Küche schufte!“
Er: „Nein, nein!“
Sie: „Aber es ist nicht egal. Das Ei muss nämlich viereinhalb Minuten kochen.“
Er: „Das habe ich doch gesagt.“
Sie: „Aber eben hast du doch gesagt, es ist dir egal!“
Er: „Ich hätte nur gern ein weiches Ei.“
Sie: „Gott, was sind Männer primitiv!“
Er: (düster vor sich hin) „Ich bringe sie um. Morgen bringe ich sie um.“

Wieso entwickelt sich das bei „alten“ (Ehe-) Paaren so? Ein Freund schreibt: „Meine Toleranz und Kompromissbereitschaft zwingen mich auf dem eingeschlagenen Weg zu bleiben – und Macken habe ich ja auch, und sicher wird es meiner Frau ähnlich gehen, wer weiß, wie lange schon?“

Es gibt – je nach Temperament – offenbar ganz unterschiedliche Verhaltensweisen, um auf solche Entwicklungen zu reagieren. Der Eine legt sich ein zeitaufwändiges Hobby zu und ist dauernd (zB auf dem Radl) unterwegs, mancher wird einfach zum Workoholic, der Nächste wird schwerhörig (oder tut zumindest so), ein Dritter geht fremd, zieht aus, lässt sich scheiden usw.

Wie gehen Sie mit ehelichen Scharmützeln um? Welche Empfehlungen können Sie anderen geben, damit der Tag nicht schon beim Frühstück eskaliert?

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