In memoriam – Heinrich Heidtmann

Heinrich Heidtmann (21.9.1891 – 11. November 1963)

 

Heute vor 119 Jahren wurde mein Großvater Heinrich Friedrich Heidtmann als Sohn des Johann Heidtmann und der Engel Heidtmann, geb. Brase, in Wohlsdorf bei Scheeßel geboren.

Die Wurzeln der Familie Heidtmann stammen aus dem Gebiet der (Lüneburger) Heide / Nordmark.

Irgendein Pastor hat den ursprünglichen Heidmännern dann im 19. Jahrhundert versehentlich ein „t“ hinzugeschrieben.

„Heini“ Heidtmann war eines von neun Kindern. Es war keine leichte Zeit. Die Familie war arm, das Geld war knapp. An eine gute Schulausbildung damals nicht zu denken. Dennoch war mein Großvater in meiner Erinnerung stets auf dem Laufenden des Zeitgeschehens. Im „Lesezirkel“ hatte er immer den „Spiegel“ abonniert.

Im 1. Weltkrieg bekam er im Sommer 1916 an der Frankreichfront einen „Heimatschuss“ und konnte den Rest des Krieges daheim verbringen – allerdings auch den Rest des Lebens mit einem etwas steifen linken Arm.

Danach hat er bei der „Bahn“ gearbeitet. Dort brachte man die um das Reich verdienten Soldaten unter. Bereits am 1. Juni 1874 war die Eisenbahnlinie Bremen – Hamburg in Betrieb genommen worden. Zunächst arbeitete Heinrich Heidtmann im Gleisbau: Bei den Arbeiten an der Güterumgehungsbahn Sagehorn – Kirchweyhe lernte er  meine Großmutter, die Witwe Katherine Richter, geb. Harling, in Sagehorn kennen. Er war innerhalb der Woche „Logiegast“bei ihr. Großmutter Heidtmann besaß als Witwe ein Haus, dessen Hypothek sie durch Vermietung von Zimmern an Logiegäste (Bahnarbeiter) abtrug.

Im Jahre 1919 heirateten die beiden. 1920 wurde mein Vater, Alfred Karl Heidtmann, geboren. Es war die dritte Ehe meiner Großmutter. Den ersten Mann verlor sie durch „Schwindsucht“, der zweite fiel im 1. Weltkrieg. Zwei Mal Witwe, dann kam Heini Heidtmann.

Später war mein Großvater dann „Streckenläufer“. Als er „einmal um die Erde“ gelaufen war, also ziemlich genau nach 40.000 km – und das alles im kurzen 63er Schritt der Schwellenfolge, berichtete die Zeitung. Daher stammen vermutlich auch die Bilder – aufgenommen vermutlich vom Bahnfotographen Walter Hollnagel Anfang 1950.  In den 50er Jahren musste jede Strecke zwei Mal die Woche inspiziert werden, mit Hammer und Schlüssel. Ich glaube, mein Opa schlug konstant gegen die Schiene und konnte dadurch schon hören, ob die locker war oder nachgezogen werden musste. Heute werden die Gleise durch Spangen gehalten – nichts mehr mit Nachziehen oder gar Streckenlaufen!

Das Einkommen dieser Besoldungsstufe war vermutlich eher gering. Deshalb hatten meine Großeltern – wie die meisten Menschen in dieser Zeit auf dem Lande – einen landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb. Dieser rettet die gesamte Familie – und einige andere – auch durch die Zeit des 2. Weltkrieges. Die landwirtschaftlichen Grundstücke sind auch heute noch im Familienbesitz, wenn auch verpachtet. Meine Großeltern haben diese durch mutige Kreditaufnahmen und im Schweiße ihres Angesichts erworben und bewirtschaftet, wie bereits hier berichtet. Das ist mir Auftrag, sie nicht leichtfertig zu veräußern.

Deshalb hat Jochen Voigt mich neulich auch spontan in den „Bauernstand“ erhoben: Wer landwirtschaftlich genutztes Land besitze, sei Bauer, so Jochens Diktum – das hatte ich bisher noch nie so gesehen, nehme es aus Jochens Munde aber gerne an.

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2 Antworten zu In memoriam – Heinrich Heidtmann

  1. Dieter Osmers sagt:

    Hallo K.-H.
    Es mich sehr gefreut hier über deinen Opa Heini Bilder und Informationen über seine Herkunft zu erfahren.
    Ich habe Heini Heidtmann als Streckenläufer und Nebenerwerbslandwirt in guter
    Erinnerung.
    Wie viele Schwellen und Schrauben hat er wohl in seinem Leben kontrolliert?
    Nach vielen Kilometern auf der Bahnstrecke ging es dann zu Hause weiter mit Heuen und Korn mähen etc.
    Ich habe niemals Leute von seinem Schlage jammern hören, wie heutzutage die Vollkaskoversicherten mit Rundumversorgung.

  2. Karl-Heinz Heidtmann sagt:

    Lieber Dieter,
    da hast Du wohl recht!
    „Go man glieks anne Arbeid, dann geit die dat bums beter“ sei Tante Erna ut Scheeßel jümmers.
    Vielleicht haben wir nur zu viel Zeit zum Nachdenken?

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