Staatliches Schulsystem – die Verwaltung des Mangels?

Auf der Fahrt zum Elternabend hörte ich gestern noch kurz vorher einen Beitrag auf “NDR Kultur” über die neuen “Funktionseliten”. Privatuniversitäten, Privatschulen (15% der Schüler gehen bereits dahin) – neu für mich war nur die Tatsache, dass es nun auch wohl “Elite-Kindergärten” gibt.

Unsere Kinder werden in der Staatsschule groß, konkret der “Kooperativen Gesamtschule Leeste“. In solche oder ähnliche Schulen geht der Rest der Nation, Kinder von Eltern, die sich eine Privatschule nicht leisten können oder wollen.

Angekommen im Klassenraum der 10 G meiner 15-jährigen Tochter, erschrecke ich erstmal angesichts des desolaten Zustands: Ein kleiner schlauchartiger Raum, schadhafte und notdürftig wieder verschlossene Decken, laienhaft tapezierte mobile Leichtbauwände aus Metall, die jedes Geräusch aus den nebenliegenden Klassenräumen durchlassen (was besonders bei Klausuren ein konzentriertes Arbeiten erschwert), Außenjalousien, die nicht mehr richtig funktionieren, die klassische Schiefertafel usw. Kurzum: Lernbedingungen, die alles andere als motivierend und so gar nicht mehr zeitgemäß sind. Hier soll also unsere Tochter einmal das Abitur erreichen.

Die Raumsituation ist Tagesordnungspunkt. Die Lehrer beklagen sich an diesem Abend gleichzeitig über demotivierte Schüler und geben ihr Unverständnis darüber zu Protokoll. Zusammenhänge kann man durchaus herstellen. 30 Jahre soll dieser Trakt inzwischen alt sein. Seit Jahren monieren Eltern die Zustände bei der Schulleitung und bei der Gemeindeverwaltung. Wenig geschieht. Schüler und/oder deren Eltern versuchen in Eigenarbeit immer mal wieder, den Klassenräumen mit frischer Farbe usw. neues Leben einzuhauchen. “Keine Mittel!”, lautet die lapidare Antwort. Wofür zahlt man Steuern?

Wir müssen einmal mehr feststellen, dass sich unser Staat bzw. unser Bundesland von seinen (Staatsschul-) Schülern offenbar verabschiedet hat. Für Privatschulen und -universitäten gibt es stattliches Geld, die staatlichen Schulen verkommen. Der Neoliberalismus hat auch hier Einzug gehalten, nach dem den Reichen das Glück dieser Erde gehört und die anderen sehen können, wie sie klar kommen.

Die Eltern beschließen, dass sie auf eine weitere Aufforderung zur Abschaffung der Missstände verzichten. Sie werden nun an die Öffentlichkeit gehen. Presse, Radio und TV sollen eingeladen und ein Drehtermin beantragt werden. Immerhin verfügen die Eltern der 85% Restschüler über gute Netzwerke.

Ein Staat, der die nächste Generation als seine wichtigste Ressource vergisst, ein Staat, der seine Bürger nur noch als Opfer betrachtet, nicht als Aufgabe, muss sich nicht wundern, wenn links und rechts neue Gruppierungen in der Parteienlandschaft oder der Gesellschaft entstehen. Politker, die sich für die Belange ihrer Bürgern nicht mehr für zuständig erklären, haben ihr Amt verwirkt

Wer nicht handelt, wird behandelt. Wer macht, hat Macht. Die Eltern der 10 G in Leeste treten jetzt in Aktion.

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