Hysterie – ein zeitloses Leiden

Die Bezeichnung Hysterie (von altgriech. hystera: Gebärmutter) ist ein psychologischer Fachbegriff für eine neurotische Störung, der ursprünglich nur Frauen unterstellt wurde.

Die Hysterie gilt als die älteste aller beobachteten psychischen Störungen. Im 19. Jahrhundert hatte dieses Leiden Hochkonjunktur, daher wurde es auch als das „Zeitalter der Hysterie“ bezeichnet. Oft wird vielfältiges körperliches Beschwerdebild ohne organische Grundlage diagnostiziert. Den Begriff der „hysterischen Persönlichkeit“ wurde vom Psychoanalytiker Fritz Riemann geprägt.

Die Symptome der Hysterie wurden lange als subtiler Kampf gegen (männliche) Übermacht gedeutet. Auch Sigmund Freuds Weg zur Psychoanalyse führte über die Hysterie. Heute gilt die hysterische Reaktion als eine mögliche Form der psychischen Konfliktlösung. Da der Begriff „Hysterie“ heute meist in negativer Bedeutung verwendet, wird der Begriff „Konversionsstörung“ für o. g. Symptome benutzt, eben weil psychisches Leiden in körperliches konvertiert.

Klassische Merkmale der Hysterie sind:

  • psychische Funktionsstörungen (dissoziative Erscheinungen: Halluzinationen, Dämmerzustände, Amnesien),
  • körperliche Funktionsstörungen (Konversionssymptome: Muskelschwächen, Lähmungen, Anästhesien, Zittern)
  • hysterische Verhaltensmuster (Dramatisierung, exaltiertes Verhalten, Übererregbarkeit, Egozentrismus, Verlangen nach Anerkennung und Liebe)

Der hysterische Mensch sucht bewusst oder unbewusst ein Publikum. Die Ausdrucksgebung mit den Mitteln der hysterischen Symptombildung oder der hysterischen Verhaltensweisen hat einen eindeutig kommunikativen Charakter. Man will in ganz bestimmter Weise beeindrucken, beeinflussen, überzeugen.

Es ist wichtig, den Hysterikern klarzumachen, dass sie nicht simulieren, sondern sich in einer für sie unbewussten Konfliktsituation befinden. Krankengymnastische Behandlung sowie verhaltenstherapeutische Elemente können hilfreich sein. Dies trägt zu Stabilisierung ihres labilen Selbstwertgefühls bei. Sie werden autonomer und sind weniger auf hysterische Inszenierungen angewiesen, in denen sie ihren Körper und Geist zur Unterdrückung und Kompensation psychischen Leides benötigen (aus: Reimer, Ch., Eckert, J., Hautzinger, M. und Wilke, E. (1996): Psychotherapie, Ein Lehrbuch für Ärzte und Psychologen, Berlin, Springer, ISBN 3540667911).

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