Schlechte Werte

In einer repräsentativen Umfrage des Gallup-Instituts wurden im vergangenen Jahr weltweit 50 000 Menschen befragt, für wie vertrauenswürdig sie ihre Eliten aus Politik und Wirtschaft halten.

Das Ergebnis für Deutschland: In keinem anderen westlichen Industrieland wurden die Spitzen der Gesellschaft so ungünstig beurteilt wie in Deutschland: 76 Prozent halten die Politiker für unredlich, 70 Prozent die Wirtschaftsführer – das entspricht dem Niveau „Bananenstaat“.

Und das erklärt vermutlich auch die erstaunliche Binnenkonjunktur. Krise? Die interessiert den Bürger schon lange nicht mehr – nicht meine Krise, habe ich nicht gemacht, geht mich nichts an! Die Chronik der Pleiten, Pannen und Unfähigkeiten ist so unendlich lang, so dass der Bürger schon lange den Glauben an sog. „Wirtschaftsführer“, den „Nieten in Nadelstreifen“ verloren hat. Und ähnlich lange glaubt man keinem Politiker mehr. Duett statt Duell.

Kaum jemand regt sich noch wirklich auf über die Dinge, die jenseits des eigenen Einflussbereichs liegen. Resignation allerorten. „Geht mir aus der Sonne und stört meine Kreise nicht!“ Der Bürger gibt angesichts niedrigster Zinsen für seine Spargroschen und in Anbetracht drohender Angriffe nach der Wahl auf seine Ersparnisse sein sauer verdientes Geld lieber aus: Shoppen statt schimpfen.

Und so gerät die vermeintliche Gelassenheit in der Krise parallel auch zu einem Verweigerungsgang zur Wahlurne. Über 25% der Wahlberechtigten wissen eine Woche vor der Wahl immer noch nicht, welche Partei sie wählen sollen. Ein neuer Trend, ebenso wie der Fünf-Parteien-Trend.

Doch am Ende all solchen Tuns wird es nur Verlierer geben. Eine Wirtschaft ohne Konsumenten. Ein Staat ohne echte Bürger. Kirchen ohne Mitglieder. Ein Volk ohne Glauben an irgendwen oder irgendetwas.

Doch das wiederum bietet einen guten Nährboden für Heilsversprecher, die wir in Bälde erleben werden.

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