Über das Fremde

Die Zahl der Studien über das Thema „Immigration“ ist ebenso unendlich wie die ständige Frage, wie viele Immigranten ein Land vertragen kann.

Gerade wieder flammt die Diskussion auf, nachdem die Freizügigkeit für Bulgaren und Rumänen innerhalb der EU Realität wurde. Gerne werden diese beiden Ethnien fälschlicherweise pauschalierend mit den Volksgruppen der Roma und Sinti gleichgesetzt. Auch das Wort „Armutsflüchtlinge“ schaffte es flugs in den Duden. Und die Schweiz hat gerade just wegen dieser Ethnien per Volksentscheid flugs ein neues Einwanderergesetz beschlossen.

Grund genug, sich einmal mit der Frage zu befassen, woher die Furcht vor Menschen anderer Volksgruppen stammt.

Schon immer haben sich Menschen vor Fremden gefürchtet. Alles, was anders aussieht als der eigene Clan, wird seit Neandertalerzeiten mit Vorsicht beäugt. Nicht zufällig trägt das englische Wort „strange“ neben „fremd“ auch die Bedeutung „merkwürdig“ (ähnlich dem deutschen Wort „befremdlich“). Ein „stranger“ ist eben in vielerlei Hinsicht anders.

Gewiss, es gibt Unterschiede: Je größer das kulturelle Delta, desto schwieriger wird die Assimilation. Nie hörte man von Problemen der Immigration von zum Beispiel Niederländern oder Menschen auf dem skandinavischen Raum. Auch Briten, Franzosen und Italiener gehören zu den eher problemlosen Migranten.

Schwierig wird es in der Tat, je weiter man nach Osten kommt. Der Ruf der Polen hat sich indes schon deutlich gebessert – abhanden gekommene Autos mutmaßt man heute eher in der Ukraine.

Kommt zu der kulturellen Differenz bzw. dem Entwicklungsstand noch eine andere Religion hinzu, wird es noch einmal schwieriger. Und weicht auch noch der äußere Phänotyp in Statur, Haut-, Haar- und Augenfarbe von uns ab, schrillen die Alarmglocken!

Doch der Wahn vom „reinrassigen“ Volk ist nichts weniger als dies. Alle modernen Nationen sind nichts Anderes als willkürlich zusammengewürfelte Konglomerate verschiedenster Ethnien und Volksstämme unterschiedlichster Provenienz – das ist besonders in der Schweiz mit vier Staatssprachen überaus offensichtlich! Doch auch Frankreich, Spanien oder Italien sind ein buntes Gemisch verschiedener Kulturen.

Doch auch, wer bisher glaubte, Deutscher zu sein, bedeute die Zugehörigkeit zu einer Ethnie, irrt gewaltig: Einen Bayern oder Badener eint so gar nichts mit einem Ostfriesen oder Hamburger – die genetischen Unterschiede sind ähnlich groß wie die zwischen einem Italiener und einem Schweden, mindestens.

Und einen „reinrassigen“ Deutschen wird man vergeblich suchen. Die Geschichte Deutschlands ist immer schon kunterbunt gewesen.  Das erste deutsche Reich datiert aus dem Jahre 1871. Davor bestand das Heilige Römische Reich deutscher Nationen aus 300 Kleinstaaten. Somit wird es auch mit dem Begriff Vaterland recht eng.

Die Geschichte von „wir“ und „die Anderen“ wird immer wieder gerne erzählt. Nur stimmt an ihr so gut wie nichts.

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