Systemfrage – quo vadis?

Seit mehr als 40 Jahren denke ich über Wirtschaft und Politik systematisch und intensiv nach. Dabei beziehe ich immer auch die Disziplin der Psychologie mit ein (was treibt Menschen an?). Basieren tut das Ganze auf einem tief empfundenen Humanismus. Über die Ergebnisse meines Nachdenkens berichte ich in drei Blogs.

Wer Neues erfahren will, sollte sich davon verabschieden, im System zu denken, denn nach Adorno gilt: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ Dass sich unser gegenwärtiges Wirtschaftssystem – das sich selber auch gerne als „Soziale Marktwirtschaft“ feiert – in die falsche Richtung führt, darüber braucht man nicht mehr zu streiten: Es kann nicht sein, dass nur Wenige erfolgreich sind, und die Masse leidet, hungert, stirbt. Wenn 1 Milliarde Menschen weltweit hungern, ist etwas faul im System. Wenn zur Aufrechterhalten des Systems die Umwelt, unsere Lebensbasis, nach und nach zerstört wird, dann ist das absurd. Wenn in einem der reichsten Länder dieser Welt die Zahl der Tafeln und Suppenküchen kontinuierlich zunimmt, dann konterkariert dies die derzeit jemals erreichte höchste Zahl an Arbeitsplätzen.

Eine Aufrechterhaltung des Status quo, wie sie seit Urzeiten das Programm der Sozialdemokratie ist, erscheint dabei fast tragischer als eine knallharte konservative Politik – bei letzterer weiß man wenigstens, woran man ist. Die Sozialdemokratie hat das politische Geschehen historisch stets verwässert – man denke nur an das Feigenblatt des „demokratischen Sozialismus“, der ja „eigentlich“ immer noch in der Parteisatzung steht, von dem aber faktisch niemand etwas wissen will – gleichwohl ein interessanter Aspekt im Zusammenhang mit der vehementen Negation einer Koalition mit der Partei „Die Linke“. Nachdem man vergangenes Jahr im Wahlkampf auf die Christdemokraten verbal eindroschen hat, koaliert man nun lieber mit ihnen in einer gemeinsamen Regierung. Wählerwille, quo vadis?

Doch die gezielte und systematische gesellschaftliche Verblödung scheint ebenso weit fortgeschritten zu sein wie die Zementierung wirtschaftlicher Interessensphären. Das Ganze scheint immanent nicht mehr zu lösen. Aus dem Ziel eines notwendigen anderen Wirtschaftens ergeben sich zwangsläufig Anforderungen an neue Wege.

Es geht um nicht mehr und nicht weniger als unser aller Dasein. Die Kurzfristigkeit, letztendliche Dummheit und Dreistigkeit von internationalen Marktakteuren, die unser aller Zukunft wegen kurzfristigen Profitdenkens auf Basis einer unersättlich Gier aufs Spiel setzen, ist dabei ebenso wenig tolerierbar wie dafür stets notwendige tatkräftige Unterstützung der Politik, die diesen den Weg dafür freimacht.

Dieser einzigartige blaue Planet ist mehr wert als die Summe aller möglichen Geschäfte.

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