Limburg zum Beispiel

Seit Monaten schlagen die Wellen hoch in kirchlichen Kreisen. Sie alle wissen, worüber ich rede: Gibt es doch einen Bischof, der mit den Millionen um sich schmeißt, um sich eine „angemessene“ Residenz zu schaffen.

Hier hat wohl jemand völlig den Überblick verloren und ist weit übers Ziel hinausgeschossen. Um bei dem Begriff zu bleiben: Da haben sich die Medien auf den besagten Bischof so richtig eingeschossen. In diesem Fall mag das so recht niemanden wundern und die Gläubigen fangen mal wieder an, an ihrer Kirche zu zweifeln.

Nur stellt sich mir die Frage: Ist das eigentlich nur ein Thema des besagten Bischofs? Die Kirchenoberen wissen doch sehr genau, dass bereits mehrere andere Bischöfe sich mit vielen Millionen entsprechende Residenzen gebaut oder renoviert haben. Es ist demnach überhaupt keine Besonderheit mehr, nur ist es hierbei die Höhe der Millionen, die zu dem Aufschrei geführt hat.

Außerdem grübelt der bescheidene Gläubige, wo diese vielen Millionen eigentlich herkommen, warum es da so ein kleines Extrakonto gibt, und ob man diese Gelder nicht anders verwenden könnte bei so viel Not und Elend auf der Welt? Ebenso muss es verwundern, warum die Kirchenoberen in Prunk und Pomp leben müssen?

Allerdings, so neu ist das Thema nun auch nicht. Das Thema ist so alt wie die Bibel: Auch der Turmbau zu Babel war nicht „gottgefällig“. Und war es doch seinerzeit Martin Luther, der gegen den Ablasshandel eingetreten ist, Gelder, die schon damals für Prunkbauten der Oberen benötigt in Rom wurden. Also wurde der Ablasshandel mit Wissen des damaligen Papstes ins Leben gerufen und das Volk zahlte fleißig: „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!“ (Ablassprediger Johann Tetzel)

Warum ist es nur so, dass Menschen, die in höheren Positionen, ganz gleich, ob in Kirche oder Wirtschaft, ganz gleich, ob einst oder heute, in eine Art Gigantismus verfallen? Immer teurere Büros, immer größere Autos, immer prunkvollere Eigenheime, unverschämt hohe Gehälter u.v.a.m.?

Bescheidenheit und Demut scheinen da nicht angebracht oder sind heute in Vergessenheit geraten. Der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus, um zu sehen, was die Untergebenen noch auf dem Teller oder im Portemonnaie haben, ist ihnen offenbar völlig abhandengekommen.

Nun könnte man meinen, dass ich als evangelischer Christ da leicht reden habe, ist der aktuelle Fall doch eher ein Problem der katholischen Kirche. Weit gefehlt; denn ich bin Christ, und die Konfession ist für mich in diesem Fall eher zweitrangig. Betroffen sind beide Kirchen; denn die Menschen machen offensichtlich keinen Unterschied: Kirche ist für sie Kirche.

Wir haben es hier mit einem Problem in den Strukturen zu tun und offensichtlich hat niemand aus der Geschichte gelernt. Dass jetzt hier ein Einzelner an den Pranger gestellt wird – wobei ich der Meinung bin, das in diesem besonderen Fall die oberste Kirchenleitung unbedingt entsprechend handeln muss – hat sich durch die Höhe der Ausgaben ergeben. Die Verantwortlichen müssen sich Gedanken darüber machen, ob hier nicht ein grundsätzliches Umdenken erforderlich ist?

Auch ein Paulus war früher ein Saulus und der Meinung, er würde richtig handeln. Alle müssen in den Spiegel schauen, überlegen und ihr Gewissen prüfen. Man hätte z.B. den vielen kirchlichen Missbrauchsopfern mit einer fairen Entschädigung angemessen helfen können, wo doch augenscheinlich genug Millionen vorhanden sind. Und warum dauern solche wichtigen Entscheidungen immer so lange?

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