Herbstzeit – Pilzzeit

Jetzt sind sie wieder in Scharen in den Wäldern unterwegs, die Pilzesammler. Vorsicht ist geboten,  denn in einem Wald bei Cochem hat ein Man seine Frau beim Pilzesammeln verloren und in Göhrde hat ein Rentner sich offenbar beim Pilzesammeln verlaufen und  wurde als vermisst gemeldet.

Überall im Wald stehen Autos versteckt in Seitenwegen, und sieht man Menschen mit Körben am Arm suchend durchs Unterholz schlendern. Pilze sammeln ist ein atavistisches Relikt. Es gibt Menschen, die müssen jetzt einfach mit einem Korb in den Wald.

DSCN2124Dieses Jahr sei nicht so gut meint die blonde Mittfünfzigerin, die wie einst Rotkäppchen aus dem Wald ans Tageslicht tritt und sich offenbar bestens mit Pilzen auskennt. Sie weiß auch um die Stellen, wo die beliebten Steinpilze zu finden sind. Heute hat sie  überwiegend Maronen im Korb. Sie selber riecht intensiv nach Nelkenöl – das ist gegen die Zecken!

Wie das Verhältnis von Pilze suchenden Frauen und Männern sei? Mehr Männer, lautet ihre Antwort – man hätte es genau andersherum vermutet: Waren Frauen doch von altersher eher Sammlerinnen. Doch die Begründung leuchtet ein:

Die moderne Frau hat Angst allein im Wald. Sie selbst sei mit einer Gaspistole (sie hat dafür gar einen „kleinen Waffenschein) sowie einen „Schreihals“ (ein Handalarmgerät, das mit ca. 130 db jeden Angreifer schockt und andere Menschen aufmerksam macht) ausgerüstet – von ihrem mit Stahlspitze bewehrten Handstock ganz zu schweigen. Einmal habe ihr tatsächlich ein männlicher Pilzsammler nachgestellt. Aber die wehrhafte Frau hat ihn auf Distanz gehalten.

Das Bundeswaldgesetz erlaubt nach §14 Pilzesammeln zum Eigenbedarf (entspricht 2 kg). Eine Million Pilzarten gibt es nach Schätzungen von Fachleuten weltweit, rund 70.000 Arten sind wissenschaftlich beschrieben. Nur ein Bruchteil davon sind die begehrten Speisepilze – in Deutschland etwa 150. Dagegen gelten hier etwa 200 Sorten als giftig, 15 davon als tödlich giftig – manche Pilze kann man eben nur einmal essen.

Sammeln kann man diese in nahezu jedem Monat des Jahres. Viele der „Frühpilze“ bieten jedoch in Geschmack und Nährwert nicht die gewohnte Qualität. Erst jetzt im Herbst beginnt die eigentliche Pilzsaison. Viele Champignonarten, wie beispielsweise der Wiesenchampignon, der Waldchampignon und der Anischampignon haben nun ihren Auftritt.

Was sie mit den vielen Pilzen mache? Die würden gleich geputzt, die großen in kleine Teile geschnitten. Das sei viel Arbeit. Nach drei Stunden könne sie dann vor Rückenschmerzen nicht mehr stehen. Die Arbeit im Sitzen machen? Nein, davon bekomme sie nur heftige Verspannungen im Schulterbereich. Warum also die Pein? Die meisten Pilze würden eingefroren, andere kämen in den Dörrapparat – und damit kommt man dann gut über den Winter. Sprach’s, verabschiedete sich artig, stieg in ihren weißen SUV und fuhr davon.

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