Lieber Herr Professorin!

Man mag diesen akademischen Unsinn kaum glauben, doch die Universität Leipzig hat angeblich den Titel „Herr Professorin“ eingeführt – sofern es sich nicht um einen verspäteten Aprilscherz oder eine Zeitungsente handelt.

Konkret sollen mit den weiblichen Titeln „Professorin“, „Dozentin“, „Rektorin“ usw.  zukünftig nicht nur Frauen, sondern auch Männer bezeichnet werden.

Grund dafür soll angeblich die schlechtere Lesbarkeit von „Professor/Professorin“, „Professor/in“, „Professor_in“, „Professor_In“, „Professor (m/w)“ usw. sein. Immerhin seien bereits 60% der Studierenden Frauen.

Und unter den normalen Titel „Professor“ bzw. „Professoren“, was die weibliche Person einst beinhaltete, wollen sich die emanzipierten Däminnen und Herrinnen schon lange nicht mehr subsumieren lassen.

Wenn das der akademische Beitrag der Universität Leipzig zur sog. „Gender-Diskussion“ ist, würde ich empfehlen, die immerhin zweitälteste Universität Deutschlands – zugegeben etwas verspätet – „abzuwickeln“. Denn hier wird ein mäßig warmes Lüftchen produziert bzw. viel Lärm um Nichts gemacht. Apropos Krach: Was schrieb  dazu einst schon der selige Karl Marx?

„Den Lesern der zeitläufigen deutsch-national-liberalen Professoralliteratur kracht jedoch etwas ganz andres als der Kopf.“

P.S.: Burkhard Müller schreibt in der SZ vom 20. August 2013:
„Hier schlägt das ursprüngliche Recht einer Forderung, ins Unpraktikable getrieben, ins Doktrinäre um.“

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3 Antworten zu Lieber Herr Professorin!

  1. Everhart Bilker sagt:

    Lieber Karl-Heinz!
    Ich fürchte, ich muss Dir einen kurzen, widersprechenden Kommentar zu deiner oben geäußerten Meinung schreiben.
    Die Uni Leipzig hat in einer ganz unspektakulären Verwaltungsanweisung das generische Femininum für das generische Maskulinum eingesetzt. Das ist ungewöhnlich und neu. Und welch eine Entrüstung schwappt dann durch’s Land! Überwiegende Meinung: Die Leipziger spinnen doch! Vergewaltigung der Sprache! Aprilscherz!
    Die von dir angeführte „angebliche“ Begündung der schlechten Lesbarkeit der bisherigen Anwendungen war in der Tat der ursprüngliche Grund für die Verwaltung, den generischen Feminismus einzuführen.
    Was ist daran denn nun so schlimm? 60 % der Studierenden sind weiblich. Das ist die Mehrheit. Das ist sicher kein zwingender Grund für die Neuerung, dagegen spricht es aber ganz bestimmt auch nicht.
    Ja ja, wenn bei uns etwas verändert werden soll, an das wir uns so sehr gewöhnt haben, dann bricht fast das Abendland zusammen. Tempolimit auf der Autobahn, Sexismus im Alltag, 5 Euro für’s Benzin – Veränderungen machen Angst, zumindest verunsichern sie. Was soll da noch alles kommen?!
    Natürlich soll nicht überall nun der generische Feminismus eingeführt werden. Das wäre ja albern. Aber das „Däminnen u. Herrinnen“ ist da nicht minder albern und geht ebenso am ernsthaften Thema vorbei.
    Wir haben doch schon gelernt und auch begriffen, dass es nicht gut ist, Sklaven zu halten oder den Frauen zu verbieten, wählen zu gehen. Die Lehrer sollen nicht mehr die Kinder schlagen und Zähne zu putzen hat anerkanntermaßen hygienische Vorteile.
    Also bitte werden wir auch noch lernen, dass Männer und Frauen nicht nur im Grundgesetz gleich sind, sondern auch im täglichen Leben. Das schlägt manches Mal merkwürdige Kapriolen, aber man könnte trotzdem ja mal ganz entspannt drüber nachdenken.
    Im Gund ist es doch völlig wurscht, ob der Herr Professor nun im Anschreiben seiner Uni „Professorin“ genannt wird …
    Mit freundlichem Gruß
    Everhart

  2. Lieber Everhart – oder antwortet hier wieder Deine „under-cover“ Tochter?

    Immer wieder schön, von Dir zu lesen! Bitte lass mich Dir auch „kurz“ antworten:

    Die Sache hat ja durchaus „dialektische“ Aspekte: Zum einen will man damit sicher auch „provozieren“ oder zum Nachdenken anregen (akzeptiert!), zum anderen meint man aber offenbar tatsächlich, auf diese Weise die Thematik der männlichen Dominanz „aushebeln“ zu können – was so natürlich barer Unsinn ist.

    Dass Du humorlos bist, ist mir allerdings neu, denn bei den „Däminnen/Herrinnen“ handelte es sich um einen Beitrag in diesem Sinne, der aber andererseits auch ein Stück Ernsthaftigkeit beinhaltete – um zu zeigen, wie absurd das Ganze ist; wenn man das nämlich zu Ende dächte, landete man im Nirwana – man müsste als Nächstes dann ja zB die Gerundialkonstruktionen auch verweiblichen („Studierindinnen“?). Und von der allgemeinen Logik her ist „Herr Professorin“ ja eindeutig ein „Paradoxon“. Was sagt die germanistische Fakultät dort dazu? Oder wurde die auch abgewickelt?

    Müssen wir angesichts der von Dir erkannten Mehrheitsverhältnisse als Nächstes etwa auch um den männlichen Artikel fürchten? Also dann „die Mann“, „Liebe Everhart“ und „Mein lieber Herr Gesangvereinin“?

    Der Suffix – „in“ hat ja durchaus seine semantische Berechtigung: Er macht klar, dass es sich hier um eine weibliche Form handelt. Das hat man ja jahrelang durchaus erfolgreich kultiviert, „liebe Kolleginnen und Kollegen“. Doch vielleicht wird die „Emanzipation Leipzig 2.0“ ja eines Tages noch auf den Gedanken kommen, dass gerade die Endung „-in“ die reinste Diskriminierung ist und hernach auf die strikte Wiederherstellung der neutralen Form bestehen? Man muss mit allem rechnen in dieser Welt voller Närrinnen!

    Meines Erachtens ist es wenig hilfreich, das weibliche Suffix zu „verwässern“. Eine solche verkrampfte Umbenennung wäre – horribile dictu – letztlich auch nur eine Umkehrung der (Macht-) Verhältnisse. Cui bono? Frauen als die besseren Menschen? Horror vacui!

    Und, um das Ganze mal wieder vom Kopf auf die Beine zustellen – Frauen und Männer sind nun mal nicht gleich (das ist Dir gewiss auch schon aufgefallen). Das kann auch kein Gesetz und keine Verordnung herstellen – Gottlob, möchte man ausrufen – würde man denn glauben!

    Bereits Mark Twain hatte sich ja schon über „The awful German language“ ausgelassen und dabei festgestellt, dass im Deutschen „das Mädchen“ geschlechtslos ist, „die Rübe“ hingegen weiblich.

    Nee, liebeR Everhart, das Ganze ist so saudblöd (ich konnte mir gerade noch ein „dämlich“ verkneifen), dass man schon wieder schallend darüber lachen möchte!

    Übrigens: Weil die Männer in Leipzig doch offenbar eine „Minderheit“ sind, sollten sie mE konkludent die Restituierung der männlichen Anredeform im Eilverfahren beantragen! Artenschutz!

    Habe übrigens gestern die Reitgerte meiner Frau repariert – hoffentlich war das nicht auch symbolisch!

  3. Helmut Zott sagt:

    Alice im Wunderland

    Ein Mensch, es kann ein Weib nur sein!
    – ein Männerschreck! – sieht es nicht ein,
    dass Mann und Frau sich gut ergänzen
    und will, dass Frauenzimmer glänzen.
    Weil Gott die Schönheit ihr verweigert,
    hat sich ihr Ehrgeiz übersteigert.
    Die Menschheit, meint sie, sei zu retten,
    wenn Männer nicht das Sagen hätten,
    und nur wenn diese kaltgestellt,
    wird Frieden möglich auf der Welt.
    Man muss die Menschheit korrigieren,
    zunächst die Männer liquidieren
    – bis auf ein paar zum Samenspenden –
    und dann durch Klonen sich vollenden.
    Die schöne neue Welt von morgen,
    wird männerlos und ohne Sorgen!
    Die Frau, die so verächtlich dachte
    und diese Weltentwürfe machte,
    nahm Rache an der Männerwelt,
    weil ihr kein Mann je nachgestellt.
    Was sie am Unterleib entbehrt,
    hat sich in Männerhass verkehrt.

    Helmut Zott

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