Das Leben als (Ehe-) Paar

Das Leben als Paar ist viele Tausend Jahre älter als das als Ehepaar.

Über die Anfänge der „Ehe“ ist empirisch wenig bekannt. Man geht von einer linearen Evolution der Paarbindungen unter Menschen aus: Zu Beginn der Menschheit habe Promiskuität geherrscht, die sich anschließend zur Gruppenehe und schließlich über die Polygamie zur Monogamie entwickelt hat.

Monogam lebende Völker scheinen in vorchristlicher Zeit wenig verbreitet gewesen zu sein. Christen, Juden und Muslime sehen den Anfang der Paarbindungen bei Adam und Eva als monogame Ehe. Und in der Tat korrelieren die Expansion monotheistischer Religionen und die Monogamie positiv, auch wenn sie im alten Judentum kein Zwang war und im heutigen Islam nicht die Regel ist.

Bis in Neuzeit war das Eingehen einer Ehe auch deshalb geboten, weil Wohnraum wegen des Kuppeleiverbots nicht gemietet werden konnte und Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe als unsittlich und inakzeptabel galt. Zudem wurde im Mittelalter in Westeuropa von dem jeweiligen Grund- oder Gutsbesitzer sowie von entsprechenden Stellen der Stadt (Magistrat, Gilde, Zunft) nur demjenigen die Ehe und Familiengründung gestattet, der auch eine Familie unterhalten konnte.

So genannte „Personenstandsfälle“ (Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle) wurden einst nur in den von den Pfarrämtern geführten Kirchenregistern verzeichnet. Die bürgerliche Familie mit standesamtlicher Trauung datiert aus dem 18. Jahrhundert: Zivile Standesämter wurden erstmals zwischen 1792 und 1808 im französisch besetzen Rheinland eingeführt.

Erst mit dem Inkrafttreten des Reichsgesetzes über die „Beurkundung des Personenstandes und die Eheschließung“ vom 6. Februar 1875 wurden im damaligen Reichsgebiet Standesämter mit der Aufgabe der Führung von Personenstandsregistern  eingerichtet. Seit dem 1. Januar 1876 kann die bürgerlich-rechtliche Ehe nur noch vor dem Standesbeamten eingegangen werden.

Das Versprechen „… bis dass der Tod Euch scheide“ konnte bis ins 19. Jahrhundert  zudem bedenkenlos gegeben werden, da die Lebenserwartung nur knapp 45 Jahre betrug. Doch die längere Lebenserwartung und damit andauernde Paarbeziehung werfen Probleme auf: Die Scheidungsraten tendieren nicht zufällig gen 50%.

Die liberalere sexuelle Praxis in Neuzeit sowie die verhältnismäßige Einfachheit einer Scheidung und Wiederverheiratung haben während des 20. Jahrhunderts zu einem Anstieg sogenannter „serieller Monogamie“ geführt.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass es viele Themen gibt, die trotz oder wohl eher wegen langjähriger Ehen entstehen – und häufig nicht besprochen und gelöst werden oder gar tabu sind.

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