Im Himmel

Nachdem hier vor einiger Zeit über die Hölle geschrieben wurde, ist es an der Zeit, auch über deren christliches Pendant, den „Himmel“, zu berichten, den man sich wohl ähnlich einem Leben im einstigen Paradies vorzustellen hat.

Kirchenlateinisch leitet sich paradisus vom Griechisch parádeisos = (Tier)park  ab und dieses offenbar wiederum aus dem Persischen, wo es „Einzäunung, eingezäuntes Stück Land“ bedeutet.

Nach christlicher Vorstellung ist der Himmel ein Ort vollendeter Glückseligkeit, die in der unmittelbaren Anschauung Gottes und der damit verbundenen vollkommenen Gottesliebe ihren Ursprung hat. Der Verstorbene lebt als Gestalt, jedoch in einem anderen Seins-Zustand als dem irdischen, an diesem Ort weiter und führt dort ein paradiesisches Leben.

Der Himmel ist wohlgemerkt „oben“, die Hölle „unten“, ähnlich dem Olyp und dem Hades in der griechischen Mythologie. Auch in anderen Releigionsvorstellungen ist das Gute stets oben und das Schlechte stets unten. Der Himmel ist das positives Versprechen der christlichen Glaubenslehre. Hier landen all jene, die auf Erden gottesfürchtig (!) und vorbildlich gelebt haben: „Dein Reich komme!“

Das einzige Manko: Auf das Jenseits muss man ggf. lange warten – und vorher sein vorbildliches und ggf. leidvolles Leben hergeben. So mancher Kritiker der christlichen Religion hat hier ideologischen Unrat gewittert und vom „Opium für das Volk“ geschrieben: Ermöglicht die Hoffnung auf den Himmel dem Gläubigen doch, auch noch die größte Ungerechtigkeit und Qual auf Erden zu ertragen, stets getragen von der Hoffnung auf ein besseres Leben nach dem Tode. Der Fokus eines gelingenden Lebens soll sich mithin nicht auf das Leben vor dem Tod, sondern auf jenes danach richten – ein höchst unsicheres Unterfangen.

Da ist der Buddhismus pragmatischer und vollends gegenwartsbezogen: Er lässt niemanden auf ein Jenseits warten und sagt vielmehr: „Kümmere dich selbst um dein Glück. Es ist in dir, pack es aus!“

Bei Lichte betrachtet passt so ein Ansatz doch besser in unsere ständig neues Glück versprechende Zeit! Sollte da der neue oder nächste Bundespräsident nicht verkünden, dass der Buddhismus inzwischen zu Deutschland gehöre?

Großmutter Heidtmann sah das ebenfalls ganz pragmatisch, wenn sie von jemandem sagte, er habe den Himmel auf Erden. Und davon geht der wunderbare Film „Wie im Himmel“ ja ebenfalls aus.

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