Zum Wegwerfen – das Phoebuskartell

Bei Druckern gibt es interne Zähler, die nach einigen Tausend Seiten den Austausch der Tonercassetten usw. zwingend erfordlich machen, obwohl das Gerät durchaus noch weiterdrucken könnte. Der Reißverschluss von Jacken und Taschen versagt frühzeitig den Dienst, obwohl er ewig halten könnte – und wer lässt das schon noch vom Schneider reparieren?  Heizstäbe in Waschmaschinen rosten verdächtig schnell – allein die „Dienstleistungsarbeitspauschale“ für die An- und Abfahrt des Werkskundendiensts beträgt oft mehr als 50 Euro. Der Akku für den Akkuschrauber ist nicht mehr lieferbar – ein neues Gerät muss her. Bei manchem iProdukt ist der Akku nicht mehr austauschbar, das Gerät muss eingeschickt werden – am besten man kauft sich also ein Neues. Die alte Softwareversion funktioniert nicht – man muss die neue Version erwerben.

Fast jeder hat sich darüber  schon einmal geärgert: Kaum ist die Garantiezeit abgelaufen, gibt das Gerät prompt den Geist auf. Ist das Zufall? Mitnichten, heißt es in einer neuen Studie der Bundestagsfraktion der Grünen. Schuld sei die „geplante Obsoleszenz“ – gemeint ist damit der beabsichtigte  vorzeitige Verschleiß von Produkten.

Der Wasserkocher, die Heißklebepistole, der Laserdrucker, alles gibt beizeiten den Geist auf. Das Kalkül mancher Hersteller ist klar erkennbar: Der Einbau minderwertiger Teile reduziert zum einen Kosten bei der Herstellung – und weil die Geräte schnell defekt sind, machen die Unternehmen zum anderen mehr Umsatz mit Ersatzteilen, besonders  Autofahrer können davon ein Lied singen.

Dabei können einige asiatische Automobilhersteller erstaunlicherweise bis zu sieben Jahre Garantie auf Neuwagen geben, da kommen selbst die deutschen Nobelmarken nicht mit – die Unternehmen glauben selber offenbar nur wenig an die Qualität ihrer eigenen Karossen: Nach zwei Jahren ist Schluss mit der Garantie!

Ein historisch bekanntes Beispiel systematisch geplanter Obsoleszenz ist das 1924 gegründete Phoebuskartell, in dem die Brenndauer von Glühlampen auf 1000 Stunden begrenzt wurde. Dabei könnten Glühlampen Jahrzehnte halten.

Das alles ist ein untrügerisches Zeichen von Geldschneiderei, um die Umsätze in ansonsten eher gesättigten und stagnierenden Märkten stabil zu halten. Ökologisch ist solches Gebaren katastrophal: Dass Rohstoffe endlich sind, und es immer aufwändiger wird, diese zu fördern, ist hinlänglich bekannt: Allein in Deutschland landet eine Million Tonnen Elektroschrott pro Jahr im Abfall.

Es wird Zeit, dass der Gesetzgeber hier eingreift und sowohl der Ressourcenverschwendung klare Grenzen setzt und Kundenrecht stärkt.

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