Die katholischen Kirchenherren zum Thema „Vergewaltigung“

Am letzten Sonntag im Januar hörte ich eine sehr gute und greifbare Predigt zum Thema Barmherzigkeit. Greifbar, weil alles nachvollziehbar, praktisch und so einfach war. Aber auch, weil es unendlich oft und unterschiedlich in dem Buch der Bücher steht, und ich die Erzählungen kenne (auch wenn sich mir immer wieder neue Facetten auftun).

Ich nehme viel mit aus dem Gottesdienst, doch geht mir dabei eine Sache nicht aus dem Sinn: Die Geschichte mit den zwei katholischen Krankenhäusern in Köln ein. Da wurde tatsächlich eine vergewaltigte Frau von beiden Krankenhäusern abgewiesen – eine Institution mit Menschen, die von Berufswegen dafür stehen, dass sie sich um Verletzte  kümmern. Erschwerend kommt hinzu, dass es sich um zwei christliche Häuser handelt, die sich vom Glauben her für den Menschen (gleich welcher Rasse, Hautfarbe, Religion usw.) entschieden haben. Wie verträgt sich diese Weigerung mit dem Ursprung des christlichen Glaubens, dem Thema Barmherzigkeit?

Man kann sicherlich über das Verbot der „Pille“ diskutieren und unterschiedlicher Meinung sein; doch hier ist jemand misshandelt und vergewaltigt worden – nicht geschwängert. Da ist von „Pille“ oder „Schwangerschaftsabbruch“ überhaupt keine Rede. Da geht es erst einmal um die Versorgung eines verletzten Menschen, gleich welchen Geschlechts.

Wenn das alles geschehen ist, geht es um das Delikt, der Vergewaltigung – vielleicht mit den Folgen einer Schwangerschaft. Um genau diesen Punkt geht es dann erst im zweiten Teil der Tragödie: Es besteht noch gar kein Leben, welches mit der „Pille danach“ verhindert werden soll (man mögen mir verzeihen, wenn ich das falsch sehe – ich bin kein Mediziner).

Das simpelste Beispiel aus der Bibel, das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, wird hier mit Füßen getreten – aber schon damals wandten sich die Vertreter des Glaubens ab von dem Opfer. Also hat Kirche genau so gehandelt wie vor mehr als 2.000 Jahren.

Es ist schon eigenartig, warum gerade die katholische Kirche ihre Gläubigen zum Tempel hinaustreibt. Da werden die Misshandlungen überhaupt nicht aufgearbeitet: Da werden diejenigen, die Klarheit schaffen sollen, einfach rausgeschmissen; da wird einem verletzten Mensch die Hilfe verweigert.

Da muss man sich die Frage stellen: Was haben wir noch zu erwarten? Eigentlich ist es schon fast ein Hohn; doch wieso passiert dieses gerade in Köln? Ich frage mich, wann diese ganze Sippe von „Hardliner“ und „Ewiggestrigen“ endlich aufwacht? Die Bibel scheinen sie allemal nicht gelesen oder zumindest nicht verstanden zu haben! Barmherzigkeit, dieses wunderbare deutsche Wort, es sagt doch so viel aus und ist so einfach zu praktizieren.

Die Krönung der Geschichte lese ich am Sonnabend in der Zeitung:

Sie haben in der Debatte um die Pille danach die Menschlichkeit sprechen lassen“ -aus einem Schreiben der selbsternannten Frauenrechtlerin Alice Schwarzer an Kardinal Meissner, nachdem dieser angesichts des Kölner Skandals und der massiven öffentlichen Reaktionen die „Pille danach“ schließlich doch für vertretbar erklärt hatte.

Das ist ungewohnt handzahm. Wird das „böse Mädchen“ von einst mit 70 Lebensjahren altersmilde oder sucht sie bereits den Kontakt zum Pontifex?

Hans-Werner Kleindiek

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