Anrufen, schreiben oder lieber persönlich besuchen?

Denn diese drei Kommunikationskanäle stehen dem Menschen derzeit grundsätzlich zur Verfügung – zumindest solange an Telepathie noch gearbeitet wird.

Es ist bekannt, dass einige Geistesgrößen und Vielschreiber bereits im Zeitalter der Postkutsche einen regen „Schriftverkehr“ pflegten. Goethe hat allein seiner Frau von Stein 1700 Briefe geschrieben.

Aufwand und Zustellgeschwindigkeit  dafür haben sich in wenigen Jahrhunderten deutlich reduziert. Das Resultat: Es wird noch mehr geschrieben. Besonders das digitale Zeitalter hat mit der E-Mail und der zeitgeistigen Tochter SMS weiter dazu beigetragen. Doch wenn etwas mehr, gar zur Masse wird, wird es selten besser.

Der elektronische Schriftverkehr werde immer mehr zum Substitut des persönlichen Gesprächs, beklagen manche. Das mag sein. Andere halten dagegen, dass jede Form von Schreiben wesentlich weniger aufdringlich sei als ein telefonischer oder gar persönlicher Besuch.

Und genau darin liegt vermutlich der diskrete Charme der E-Mail: Der Empfänger kann die Nachricht sofort, später oder gar nicht öffnen und lesen – ohne dass daraus gleich ein Affront entstünde. Steht der Besuch jedoch bereits vor der Tür, wird das mögliche Verhaltensrepertoire deutlich kleiner.

Der schriftliche Kommunikationskanal bietet generell auch den Vorteil, der „Überlegenheit“: Der Verfasser kann seine Gedanken in Ruhe sortieren und an deren Formulierung geflissentlich feilen, anstatt sie möglicherweise als „schwarzes Wort“ unüberlegt mündlich in die Welt hinauszuposaunen.

Möglicherweise wird es das Fach „Schreiben“ – oder gar „Schönschrift“ wie einst -zukünftig an den Schulen nicht mehr geben. Die Handschrift des Vielschreibenden verkümmert schon jetzt zusehends, wird dadurch beschwerlich, krakelig – wann hat man den letzten Brief handschriftlich geschrieben? Und zugegeben: Für Zeitgenossen mit „Sauklaue“ sind das goldene Zeiten!

Merkwürdig hingegen, dass „Telefonieren“ kein Schulfach ist. Vermutlich, weil das Telefonieren vermeintlich so einfach ist: Man wählt eine Nummer und redet einfach drauf los – das Ergebnis ist manchmal entsprechend. Professionelles Telefonieren erfordert viel Können, denn von unseren fünf Sinnen sind wir am Telefon auf einen einzigen reduziert.

In der Schweiz denkt man aber immerhin über einen Schulunterricht in Sachen „Umgang mit sozialen Medien“ nach.

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