Über die Gemeinschaft

Warum sind immer mehr Menschen – junge wie alte – inzwischen wieder auf der Suche nach gemeinschaftlichen Lebensformen? Junge Menschen können sich oftmals alleine keine eigene Wohnung leisten und leben daher gerne in Wohngemeinschaften zusammen. Alte Menschen werden gerne in Altenheimen kaserniert, doch weil das manchen nicht gefällt, denke sie über gemeinschaftliches Wohnen im Alter nach.

Was verstehen wir unter Gemeinschaft und welche Gefühle verbinden wir damit? Gemeinschaft gibt Geborgenheit. Gemeinschaft gibt Sicherheit. Denn der Mensch ist – wie viele andere Lebewesen auch – letztlich nur in der Gruppe (Sippe, Horde, Stamm)überlebensfähig.

Sozialität (Hilfsbereitschaft, Gemeinschaftsgefühl) sind jedem Menschen eigen. Von Aristoteles stammt der Begriff des „zoon politikon„, dem auf Gemeinschaft angelegten sozialen, politischen Wesen.

Im Leben unserer frühen Vorfahren wurde einst gemeinsam gejagt oder später Ackerbau getrieben. Gemeinsam wurde das Lager verteidigt. Gemeinsam wurde den Göttern geopfert und gehuldigt (Götter entstanden aus Angst, die Weltkirchen wussten dies zu nutzen). Gemeinsam wurde gegessen.

Ob gemeinsame Jagd, gemeinsames Essen, Teilnahme an einem Gottesdienst, einer Trauerfeier oder einem Geburtstag – jede Kultur basiert auf gemeinsamem Erleben. Der moderne Mensch hat dafür eine Vielzahl weiterer Formen und Möglichkeiten geschaffen:

  • Sportverein, Gesangverein,  Schützenverein, Feuerwehr
  • Wochenmärkte, Weihnachtsmärkte, Fußballstadien
  • Vereine, Clubs, Arbeitskreise, Kollegien oder Parteien
  • Landkreis, Landsmannschaft, Bundesland oder Nation

Auch solche profanen oder rechtlichen Zusammenkünfte oder -schlüsse sind in der Lage, Gemeinschaft zu stiften. Und Menschen lassen sich für gemeinsame Ziel gerne ge- und manchmal auch missbrauchen.

Die bürgerliche Familie ist – oder sollen wir bereits schreiben „war“? – eine Schöpfung der Neuzeit und die kleinste Zelle von Gemeinschaft. Sie steht vor der Auflösung. Vielleicht hat die Suche nach alternativen Formen des Zusammenlebens also hier ihre Wurzeln? In der Tat: Zusammen ist man eben weniger allein (Anna Gavalda).

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