Über Hobbys und Steckenpferde

Der Begriff des Hobbys (eine aus dem Englischen stammende Verniedlichungsform für „horse“) ist unverbrüchlich verbunden mit dem Begriff der Freizeit, der erst in der Phase der Industrialisierung und klar geregelten Arbeitszeiten entstand.

Davor war eine Trennung von Arbeit und Leben kaum gegeben. Einst saßen die Großeltern sommers abends auf der Bank vor ihrem Hause, wenn ausnahmsweise mal nichts mehr zu tun war. Winters saß man hinterm Kachelofen. In beiden Zeiten erholte man sich körperlich, sprach miteinander, erledigte Haus- und Handarbeiten.

In den 1960er Jahren entsteht der Hobbybegriff und verleiht der Freizeit eine neue Qualität: Was man als Berufswunsch nicht realisieren konnte, erfährt seine Kompensation im Hobby. Definiert wird das Hobby als „Beschäftigung zur Erholung und zum Zeitvertreib“ (ein merkwürdiges Wort).

Doch ein einziges Hobby ist dem modernen Menschen inzwischen selten genug. Denn das Steckenpferd ist sprunghaft geworden: Alle zwei Stunden widmet sich der moderne Mensch laut BAT-Studie einer neuen Tätigkeit; kaum einer beginnt mehr samstagmorgens etwas und hört damit sonntagabends auf.

Und war die freie Zeit einst zum Ausruhen von der Arbeit gedacht, sind die Erwartungen an Freizeit heute hoch: Sie muss ausgefüllt werden! Angesichts unzähliger Möglichkeiten gilt es, siw kostbare Freizeit so lückenlos wie möglich zu nutzen, was bei manchem in Freizeitstress ausarten kann.

Süßes Nichtstun scheint so gar nicht mehr möglich, Langeweile ist passé. Für die Suche nach der inneren Ruhe bleibt einfach keine Zeit. Das wäre auch beängstigend, weil man sich da nach dem Sinn fragen könnte.

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2 Antworten zu Über Hobbys und Steckenpferde

  1. Jochen Voigt sagt:

    Den Freizeitstreß beobachte ich auch manchmal bei den Mitmenschen. Mit dem Hobby lädt man sich weitere verbindliche Tätigkeiten, Pflegearbeiten und Kosten auf, die gar nicht so leicht wieder abzustellen sind. Wohnwagen, Boot, Pferd, Jagdrevier u.a. verlangen ständig Betreuung! Da lobe ich die Märklin-Lokomotiven: Wenn Zeit und Geld da sind, kann man sie daran verschwenden; aber wenn Job und Familie die volle Konzentration erfordern, bleiben sie im Schrank und gewinnen dabei auch still und leise an Wert.
    Dann gibt es noch eine andere Form Freizeitstreß: Wenn ich mal ein paar Tage frei habe, schreien mich die Leute an: „Jetzt erhole Dich endlich mal!!!“ Ob ich das überhaupt will?
    Manch einer erholt sich erst bei der Arbeit vom Freizeit- und Familienstreß…

  2. Enrico sagt:

    Doch ein einziges Hobby ist dem modernen Menschen inzwischen selten genug.

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