Mörderische Spurensuche in Verden

An den Fassaden von Verdener Gebäuden ist so manch Geschichtliches dargestellt, das sich nicht immer von selbst erklärt. So auch am Eingangsportal der katholischen Kirche der Sankt Josef Gemeinde, an dem drei Figuren die Aufmerksamkeit der Betrachter auf sich ziehen.

Auf der linken Seite steht in Bronze gegossen der heilige Suitbert, einer der ersten Glaubensboten des Sachsenlandes. Die mittlere Figur stellt den Josef mit dem heranwachsendem Jesus dar; er ist auch der Namensgeber der Kirche. Die rechte Figur ist der Jesuitenpater Johannes Arnoldi. Dessen Lebensgeschichte hat eine blutige Spur hinterlassen, die von Verden nach Visselhövede führt.

Am Eingangsportal der Verdener Propsteikirche St. Josef erinnert die rechte Bronzefigur an Pater Arnoldi, der wegen seiner Bemühungen in der Zeit der Gegenreformation getötet wurde. Foto: Klaus Merkle

Wer dieser Spur folgt und von Verden in Richtung Visselhövede fährt, findet vor den Toren dieses Heidestädtchens eine Straße und kleine Ansiedlung mit dem Namen „Paterbusch“. Hinter diesem so harmlos klingenden Namen steckt aber eine mörderische Geschichte aus dem „30-Jährigen Krieg“ (1618 – 48).

Es begann mit der neuen Glaubenslehre von Martin Luther. Im Lüneburgischen, zu dem auch Visselhövede und Umgebung gehörte, wurde seit 1529 der lutherischen Lehre nachgegangen, während in Verden und Bremen katholische Bischöfe residierten. 1626 hatte der kaiserliche General Tilly den Dänenkönig besiegt und seine Truppen der katholischen Liga beherrschten nun weite Teile des heutigen Niedersachsens. Alle lutherischen Pfarrer wurden abgesetzt. Die Seelsorge für Visselhövede wurde dem Jesuitenpater Johannes Arnoldi übertragen.

Als sich die kaiserlichen Truppen zurückziehen mussten, blieb Arnoldi in Visselhövede. Er versuchte, die Bewohner wieder für den katholischen Glauben zu gewinnen. Dabei soll es zu einem Streit zwischen dem Pater und den Bauern wegen angeblich hoher Strafsteuern gekommen sein. Der Pater floh in Richtung Verden. Bei Nindorf wurde er von den Visselhöveder Bauern gefangen genommen und ermordet. In Erinnerung an diese Bluttat wurde die dort entlangführende Straße „Paterbusch“ genannt.

Foto: Klaus Merkle

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf einem Relief in der Kirche ist der Mord der Visselhöveder Bauern an Pater Arnoldi im Paterbusch dargestellt. In der Herz Jesuskirche in Visselhövede ist das Gewand des Paters Johannes Arnoldi ausgestellt. Ein gespaltenes Kreuz, aus dem das Wasser des Glaubens läuft, erinnert an die damalige Trennung der Kirche.

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