Trost bei Trauer

Jahrzehnte haben sie zusammengelebt. Jetzt stirbt sie. Wer spendet dem Manne Trost? Was kann überhaupt trösten, besonders wenn man nicht gläubig ist?

Von Befund bis zum Tode waren es nur gut zwei Monate. Dazwischen lagen eine Operation, viele Bestrahlungen und eine „palliative Chemotherapie“, bei der bereits die erste Infusion zum Zusammenbruch des Immunsystem führte – eine Woche später hat ein simpler Infekt ihr das Leben genommen. Man fragt sich einmal mehr, was machen die Ärzte da eigentlich?

Unter Trost versteht man menschliche Zuwendung an jemanden, der trauert, Sorgen oder Schmerzen hat. Trost kann durch Worte, Gesten und Berührung gespendet werden. Derjenige, der Trost erfährt, soll spüren, dass er nicht allein gelassen ist, seine seelische Verfassung soll gestärkt werden. Denn seine Seele und sein Geist sind unter Umständen aus dem Gleichgewicht, und er verhält sich nicht so, wie es die anderen erwarten.

Früher gab es noch ein „Trauerjahr“, in dem die Frauen schwarz trugen. Ich erinnere mich noch, dass auch mein Vater nach dem Tode seiner Mutter eine Weile einen „Trauerflor“ (eine schwarze Armbinde) trug – ein deutlich sichtbarer Hinweis also für alle anderen: Dieser Mann trägt (!) Trauer.

Bis in die 70er-Jahre war es in Deutschland für Männer in der Trauerzeit (6 Wochen) üblich, bei nicht schwarzer Oberbekleidung am linken Ärmel ein etwa handbreites Stück Trauerflor anzubringen. Vorrangig war dies dann der Fall, wenn es bei der Beerdigung  sehr heiß war und man auch ein weißes Hemd oder eine weiße Bluse mit  Trauerflor anziehen. Für Frauen im Trauerjahr war schwarze Oberbekleidung und eventuell eine Kopfbedeckung üblich.

Das „Trauerjahr“ war in der Rechtssprache einst die Frist, innerhalb deren eine Witwe nicht wieder heiraten durfte. Im Prinzip ging es der Justiz dabei offenbar um den Ausschluss, dass die Frau noch vom verstorbenen Ehemann schwanger sei.

Diese Gebräuche sind offenbar dem Zeitgeist weitestgehend zum Oper gefallen. Einige Reminiszenzen sind indes erhalten geblieben:

Bei Mannschaftssportarten kommt der Trauerflor in Form von schwarzen, elastischen Binden zum Einsatz, zum Beispiel im Fußball beim Tod eines Mannschaftskameraden.

Der Trauerflor wird auch bei Trauerbeflaggung der Nationalflagge als Symbol beigefügt, wenn keine Möglichkeit besteht, die Flagge auf Halbmast zu setzen.

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