Menschenhandel im Sport?

Von unseren drei Jungs vernehme ich die wichtige Information, dass die Transferliste heute geschlossen wird. Ich staune und wundere mich. Da ist nicht von einer Börse die Rede oder vom Auf und Ab der Wirtschaft – oder doch?

Es geht schlichtweg um das Thema Nr. 1 in Deutschland – um Fußball. Der Markt der Möglichkeiten und der Millionen (insgesamt gesehen sogar Milliarden). Da stehen Menschen zum Verkauf – obwohl wir uns nicht im Orient auf einem Basar befinden. Da wird gehandelt, wer wann zu welchem Kurs bei welchem Verein in der Welt zukünftig Fußball spielt. Ab Morgen ist dann erst einmal Ruhe und der Markt offensichtlich geschlossen.

Verzeihen Sie, wenn das alles ein wenig holperig klingt; doch ich sitze sicher nicht tief genug im Thema – doch dieser Art von „Menschenhandel“ hat mich schon immer gestört.

Da muss ich dann in der Zeitung lesen, dass für einen Spieler 40 Millionen zur Diskussion  stehen. Diese Ungeheuerlichkeit muss man sich mal ganz langsam auf der Zunge  zergehen lassen. Wir sprechen hier auch nicht von einem Einzelfall. Zusätzlich  dürfte klar sein, wir sprechen auch nicht nur über Fußball: Ungeahnte  Summen werden im Basketball, Eishockey, im Motorrennsport und was weiß ich noch alles gezahlt. Wenn man sich dann mal die Mühe macht und sich Spiele ansieht (was in der Welt mit extrem hohen Einschaltquoten und Stadienbesuchen ständig geschieht), dann wird man oft merken, dass es kaum einen Beruf gibt, bei dem  man für Arbeitsverweigerung so viel Geld verdienen kann. Was den Zuschauern  manchmal geboten wird, spottet jeder Beschreibung; doch es schint nicht angebracht, diesen Milliardenwahnsinn in Frage zu stellen.

Allerdings bietet der Sport auch eine ganz andere Seite. Da spielt ein Junge schon lange und gerne Fußball und hat offensichtlich viel gelernt, sodass er besser ist. Er spielt mittlerweile in der ersten Liga (geht aber noch zur Schule – nicht volljährig) und schießt in einem wichtigen Spiel ein sehr wichtiges Tor. Wen interessiert da noch der Schulabschluss? Das brechen wir doch gleich einmal ab und sehen unsere Zukunft nur noch im Fußball. Alle haben nur noch das €-Zeichen im Hinterkopf – und die Millionen rollen. Wie unverantwortlich von allen Beteiligten, denn morgen schon kann dieser Wahnsinn durch eine schwere Verletzung zerplatzen.

Ein Schreiben an den DFB, in dem ich auf die Verantwortung hingewiesen habe wurde abgetan als nicht verantwortlich und zuständig. Ein Brief an die Verantwortlichen des Vereins wurde gar nicht erst beantwortet. Wir sprechen hier über Unsummen, und es ist scheinbar nicht möglich, den Jugendlichen nebenher den Schulabschluss machen zu lassen und außerdem eine Ausbildung zu absolvieren. Genau dieses gehört m.E. mit zur Verantwortung und zu den Aufgaben eines Vereins, der offensichtlich entsprechende Jugendarbeit leistet.

Sportvereine sind eine ganz wichtige Einrichtung; denn sie können bei aller Problematik der Erziehung und Bildung entscheidenden Einfluss nehmen. Gerade im Mannschaftssport können die Jugendlichen wichtige Erfahrungen sammeln und motiviert werden für die Aufgaben der Zukunft. Bei den Millionen und Milliarden, die im Sport gehandelt werden, muss es doch möglich sein, Einrichtungen zu schaffen oder Unterstützung bei schulischen Abschlüssen und Ausbildungen zu initiieren.

Überdies sollte jedem verantwortungsbewusstem Menschen in diesem Umfeld klar sein, dass eine falsche Ausrichtung für manche Jugendlichen fatale Folgen haben kann. Was brauche ich Schule und Ausbildung wenn ich der Superfußballer bin (oder welche Sportart man immer nehmen will)? Da kommt das Geld von ganz alleine zugeflogen. Wenn
man den Jugendlichen Scheinwelten aufzeigt, die oft nur Luftblasen sind, dann kann es kann schnell zu einem Eigentor führen. Dieses gilt ebenso für die Musikbranche und fragwürdigen Sendungen wie „Deutschland sucht den Superstar“ oder ähnlich. Da wird eine Schülerin mit einem wahnsinnigen Medienrummel bis auf das Siegerpodest des „Eurovision Song Contest“ geschoben mit dem Erfolg, das im Folgejahr doch noch einmal zu versuchen, und dann …

Aber ich will nicht abschweifen, denn Beispiele dieser Art gibt es viele. Bei den Geldern, die im hochbezahlten Sport gehandelt werden und die jenseits von jeder Verantwortung und jenseits jeder Vernunft  liegen, muss es doch möglich sein, einen Prozentsatz X für Schule und Ausbildung zu sammeln. Es gibt extrem viele Jugendliche, die von Geburt an schlechtere Startbedingungen haben, ohne Verschulden und ohne eigenes Zutun. Auch diese Jugend hat eine Chance verdient. Von den gehandelten utopischen Milliarden wären einige Millionen in Bildung sehr gut angelegt.

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2 Antworten zu Menschenhandel im Sport?

  1. Jochen Voigt sagt:

    Lieber Karl-Heinz,
    was bist Du doch für ein unverbesserlicher Idealist!
    Aber Du hast genau Recht. Was mich nur immer sehr wundert: Dass selbst sonst eher seriöse Medien wie z.B. Tagesschau oder Süddeutsche Zeitung diesen ganzen zynischen Sportquatsch so unkritisch mitmachen und ganz neutral und wohlwollend berichten. Es ist doch im Grunde nur ein riesig aufgeblasenes Geschäft. Aber da werden ohne jede Distanz die Werbebanner ins Bild gerückt und in Interviews überhaupt nicht kritisch hinterfragt. Auch dass die ursprünglich mit Steuermitteln erbauten, stadtbildprägenden Stadien schwachsinnige Firmennamen tragen, machen die Medien ohne Not mit. Alles eine unendliche Verwertungskette, es ist zum Erbarmen. In Hamburg gibt es aber noch einen Radiosender, der hartnäckig vom „Stadion am Volkspark“ spricht – das finde ich toll.
    Nachdem Werder neulich mal wieder gewonnen hatte, wollte ich mal wieder das ZDF-Sportstudio gucken. Das kann man ja gar nicht mehr aushalten! Auch grottenschlechte Spiele werden da breit in 3D analysiert, wo man lieber den Mantel des gnädigen Schweigens drüberdecken sollte.
    Schönen Tag noch!
    Jochen Voigt

  2. Karl-Heinz Heidtmann sagt:

    Lieber Jochen,
    wenn Du genau hinschaust, wirst Du sehen, dass nicht ich, sondern Hans-Werner Kleindiek den Beitrag geschrieben hat. Kann man ggf. an der Rubrik „Gastbeitrag“ erkennen. Und als „Idealisten“ würde ich mich wirklich nicht bezeichnen.

    K.

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