Talk Shows – mehr reden als sagen

Nun haben wir es schriftlich: Talk Shows sind obsolet! Wer hätte das (nicht) gedacht?

Die Studie des ehemaligen Leiters des Grimme-Instituts, Bernd Gäbler, mit dem Titel „Und unseren täglichen Talk gib uns heute“ kommt zu dem Schluss, dass inzwischen ca. 100 Talk-Gäste den harten Kern aller TV-Talk Shows ausmachen – ein Talk-Zirkus mithin.

Nach Gäbler wird der Einheitsbrei nur immer wieder anders zusammengerührt. Zu untersuchen war im Auftrag der Otto-Brenner Stiftung der IG Metall, ob Talk Shows dem Auftrag nach informierten und kritischen Bürgern gerecht werden.

Das Ergebnis der Studie überrascht nicht, weiß der aufgeklärte Bürger doch, dass es dem öffentlichen-rechtlichen Fernsehen schon lange nicht mehr um Aufklärung, sondern lediglich noch um Quote geht. Die wenigen kritischen Sendungen, die sich ein Sender wohl pro forma noch leisten muss, werden in der Regel ins Spätprogramm verbannt, wo noch ein paar Spätlinke und desillusionierte Intellektuelle müde in die Röhre blinzeln.

Gezeigt werden in Talk Shows keine Gespräche, sondern die Inszenierung solcher, so Gäbler. Deshalb muss die Talk Runde schon „heterogen“ bis bi-polar besetzt sein, will man überhaupt noch Zuschauer vor dem Mattscheibe locken. Die Akteure sind dabei zunehmend Talk Profis aus dem Show-Geschäft oder Journalismus, die sich in Schein(wort)gefechten – das Kolosseum lässt grüßen – in der Talk Arena gegenseitig rhetorisch fertigzumachen versuchen. Der Moderator hat die Aufgabe, aus der vermeintlichen Konfrontation einen Konsens herzustellen. Legendär sind hier Sabine Christiansen und Anne Wills hilflosen Versuche.

Und so gerät das große abendliche Blabla zu einer Inszenierung der Demokratie überhaupt: Jeder darf etwas sagen, ändern tut sich natürlich nichts. „Quasselbude“ wurde einst das Weimarer Parlament von den Nazis genannt. Die moderne Übersetzung lautet wohl: Es wurde bereits alles gesagt, nur noch nicht von allen.

Nachtrag: Den Talk-Einstand von Günther Jauch am 11. September 2011 notiert „DIE ZEIT“ so: „Guter Einstand für Günther Jauch bei der ARD: 5,10 Millionen Zuschauer
(Marktanteil: 18,6 Prozent) verfolgten seinen ersten Auftritt als Talkmaster für
das Erste am Sonntagabend.“

Jauchs ARD-Sendung wird von seiner Firma I&U produziert, die auch für
„SternTV“ verantwortlich ist und mit stern.de zusammenarbeitet.

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