Wie viele Schüler braucht eine Klasse?

Im kommenden Schuljahr gibt es keine eigene erste Klasse in der Grundschule Melchiorshausen mehr. Voraussichtlich werden die zwölf Erstklässler gemeinsam mit den Zweitklässlern beschult.

Doch statt dass sich die Diskussion über dieses Thema entwickelt, berichtet die Regionale
Rundschau
am 17. August 2011 lieber über die langjährigen Spekulationen einer Schließung der ältesten Grundschule der Gemeinde Weyhe.

Für mich ist das pädagogisch eine Rückkehr in die 50er Jahre, wo auch ich die ersten Schuljahre „zweizügig“ unterrichtet wurde. Nun hat mir ein schlauer Minister Busemann einst in einem anderen Zusammenhang geantwortet, dass doch trotzdem etwas aus mir geworden sei, und er gar zusammen mit 50 Mitschülern beschult worden sei – doch das ist nichts als die übliche politische Nebelkerzenwerferei.

Wir gehören zu den reichsten Ländern dieser Welt. Unsere Wirtschaftsleistung wird zukünftig immer weniger aus der Produktion von Waren bestehen, wir werden stattdessen immer stärker „Know-how“ exportieren. Was wir schon lange nicht mehr brauchen, ist eine Dreiteilung der Schule in Haupt,- Real- und Oberschule, um daraus abgeleitet Handwerker, Kaufleute und Akademiker auszubilden. Sogar die CDU macht zur Zeit Wahlkampf mit dem Slogan „Rohstoff Bildung„. Doch, was fehlt, ist seit Jahrzehnten Geld für Bildung. Die Resultate sind uns allen hinlänglich bekannt.

Wenn wir als Wirtschaftstrainer für unsere Kunden tätig sind, nehmen selten mehr als zwölf Mitarbeiter an unseren Seminaren, Training oder Workshops teil – und das aus gutem Grunde. Niemand in der Wirtschaft trägt die Idee an uns heran, mit 36 Mitarbeitern ein Seminar zu machen – und das nicht, obwohl in die Unternehmen genau rechnen können, sondern eben, weil sie sehr genau rechnen können: Am Ende zählt immer das Ergebnis.

Auch andere Länder leben uns Klassenstärken von neun bis 15 Kindern vor. Dort hat auch meist jedes Kind einen PC-Arbeitsplatz – und nicht eine ganze Schule einen einzigen PC-Raum. In Melchiorshausen wird eine große Chance vertan, mit einer Klasse von endlich einmal weniger Schülern effektiven Unterricht zu machen.

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3 Antworten zu Wie viele Schüler braucht eine Klasse?

  1. Kleindiek, Hans-Werner sagt:

    moin, moin Herr Heidtmann,

    ja, ja, das alte Thema „Schule“ –
    damit befasse ich mich ja nun schon sehr lange –
    natürlich habe ich dazu eine eigene Meinung, und sie muss nicht flächendeckend Anerkennung finden – doch größtenteils schon passend –

    Sie haben natürlich völlig recht, was die Klassengröße anbelangt –
    da will man Schulen schließen, weil nur eine Klasse Neuanmeldungen zu Stande kommt – warum: weil die Personenstärke festgelegt ist – und eben zu hoch (wie Sie es auch schon ansprechen) – gerade ein Problem, wenn die Zahlengrenze erreicht wird – leicht drüber z.B. – anstatt dann zu teilen und zwei Klassen einzurichten………………

    wissen Sie, mir ist ja egal wie man die Einteilung oder das System nennt – wichtig ist doch, es muss endlich eine einheitliche (bundesweit und nicht jedes Bundesland anders) Regelung her – und dann bitte so lassen –
    natürlich muss man das System immer wieder überdenken – aber muss da stets eine neue Schulform bei raus kommen??? –
    warum nicht überarbeiten – korrigieren – angleichen an gegebene Umstände und Situationen – auf jeden Fall aber flexibler (siehe Klassenstärke) – und dann individuell kümmern –
    warum müssen z.B. die teuren Schulgebäude ab mittags leer stehen und alle Lehrer/innen gehen nach Hause – laut Aussage dann dort arbeiten im eigenen Büro???? – das könnte auch in der leeren Schule stattfinden – dann könnte man sogar parallel Nachhilfe oder Hausaufgabenbetreuung oder sonst welche Sonderdienste anbieten – da könnte ich jetzt seitenweise schreiben – es gibt so viele Möglichkeiten zum Wohle der Bildung und der Jugend –
    solange wir uns weiterhin in diesen starren Strukturen bewegen, wird aus unserer Bildung nichts – und aus dem Bauch heraus ständig eine neue Schulform erfinden schon mal gar nicht –
    wobei wir das Thema der Ausstattung ja noch gar nicht angesprochen haben –
    man könnte gerade zu diesem Thema sicher die Wirtschaft ansprechen und aktivieren –
    warum müssen alle Mitarbeiter/innen einer großen Versicherung zu Weihnachten ein Laptop geschenkt bekommen (zumal die meisten schon eins haben) – so eine Maßnahme kann auch an Schulen fließen – usw………………..

    Schule und Bildung bleibt in unserer Republik die „unendliche Geschichte“ – wie heißt es doch so schön „viele Köche verdeben den Brei“ – an unserem Schulsystem rühren viel zu viele „Köche“ mit rum – schade; denn es geht um das Wohl der Kinder und Jugendlichen – und letzten Endes um unser aller Wohl

    alles Gute und herzliche Grüße
    Hans-Werner Kleindiek

  2. Sonja Eden sagt:

    Die SPD Weyhe hat sich dafür ausgesprochen, den Schulstandort Melchiorshausen zu erhalten. Da die Grundschulen aber von Frau Reimer (Bezirk Syke) betreut werden, bedeutet dass, dass Melchiorshausen keine Schulleitung mehr haben darf. Frau Feifer (Schulleitung GS Erichshof) hat für ein paar Jahr die Leitung übernommen, nun aber wieder abgegeben, da die Belastung/ Zeitaufwand für Grundschulleitungen sowieso sehr hoch ist. Nun hat erst einmal die Grundschule Sudweyhe übernommen. Wir müssten leider ganz woanders anfangen, wenn wir die Zwergenschule erhalten wollen. Wir haben ja in Weyhe vorgegebene Schulbezirke, d.h. niemand aus Leeste darf seine Kinder nach Melchiorshausen schicken, das würden ja viele aus dem Bereich Böttcherei z.B. gerne tun. Es gibt eine Ausnahme, die Ganztagsgrundschule Leeste (da wir im Moment keine anderen Ganztagsangebote für berufstätige Eltern haben). Eine Zusammenlegung von Klassen allerdings kann von der Schulleitung beschlossen werden, wenn nicht genügend Lehrerstunden vorhanden sind, und die Lehrerstunden wiederum werden ja nicht von der Gemeinde Weyhe zugewiesen, also haben wir im Schulausschuss leider nicht sooo viel Mitspracherecht, wie wir gerne hätten. Werden uns trotzdem weiterhin bemühen….

  3. Liebe Sonja,

    als Genossin der SPD und Gemeinde- bzw. Kreisrätin kannst Du ja leider nicht anders als „immanent“ zu argumentieren.

    Frau Human zieht sich da zZ ja geschickt aus der Affäre – ich werde kommende Woche berichten!

    Dass man sich keinesfalls immer an das „Vorgegebene“ halten muss, beschreibst Du ja selber mit der „Ausnahme“ in Leeste. Wieso also nicht auch im Falle Melchiorshausen?

    Nein, liebe Sonja, „immanent“ kommen wir auch in dieser Frage nicht weiter.

    LG

    KHH

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