Das Märchen vom billigen Atomstrom

Es war einmal ein Atomkraftwerk …

Im Nachgang der Reaktorkatastrophen in Japan fangen Politiker, Unternehmen und Wissenschaftler plötzlich an, nachzurechnen, ob Atomstrom tatsächlich billig sei.

Der Z(w)eitgeist war schon immer der Meinung, dass Atomstrom nicht billig sein kann, weil die Gewinne privatisiert und die Kosten sozialisiert werden. So wird ja allein schon die Frage der Endlagerung – nicht nur kostenseitig – der Gemeinschaft überlassen.

Der bekannte Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Rudolf Hickel kommt in seinem Gastkommentar im „Weser-Kurier“ vom 11. April 2011 zu dem Schluss:

„Atomkraftwerke sind nicht nur technisch nicht beherrschbar. Sie rechnen sich auch ökonomisch nicht.“

Hickel beweist dies, indem er sie sog. „social costs“ – auch „externe Effekte“ genannt – einmal überschlägig berechnet. Er legt dabei die 304 Milliarden Finanzhilfen zugrunde, die der Atomindistrie seit 1950 für Entwicklung und Tests und zugeflossen sind. Diese allein würden den Strompreis um 4,3 Cent erhöhen, abgesehen davon, dass diese Finanzmittel einer Verwendung für eine nachhaltige Infrastruktur und Energieversorgung entzogen wurden.

Müssten sich die Atomkraftwerke in Deutschland gegen Schäden versichern, wie sie in Japan zur Zeit entstehen, würde der Strompreis um weiter 3 Cent steigen. Zur Zeit ist ein Atomkraftwerk offenbar nur für Schäden bis 2,5 Milliarden versichert. Japan weitet den Evakuierungsradius gerade auf 50 km aus – viele Tausend Hausbesitzer werden entschädigt werden müssen. Und was geschieht danach mit dem verseuchten Areal?

Letztlich kämen – siehe oben – auch noch die immensen Kosten für eine sichere Endlagerung hinzu. So wie in Asse wird es wohl kaum funktionieren.

Keine Wunder, dass Siemens gestern in der „SZ“ bekannt gibt, dass das Unternehmen seine Anteile an der Atomenergiesparte verkaufen wird. Der erzielbare Preis dürfte nicht mehr allzu hoch sein.

Merke: Nicht der Atomstrom ist billig, sondern nur die Argumente der Befürworter!

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