Vaterlandsliebe?

Die aktuelle Migrantendiskussion wirft am Rande auch die Frage auf, wer oder was ist ein Deutscher?

Arnd Brummer, Chefredakteur der evangelischen Monatszeitschrift „chrismon“ schreibt dazu sehr schön:

„Im Übrigen bin ich gerne Deutscher, im Sinne des General Harras in Carl Zuckmayers „Des Teufels General“. Ich freue mich, dass in meinen Genen Legionäre aus Syrien oder Gallien, jüdische Gewürzhändler, ungarische Flüchtlingsmädchen und Bäuerinnen aus dem Odenwald ihre Spuren hinterlassen haben.“

Freerk Huisken hat einst in seinem Buch „Anstiftung zum Unfrieden“ die Frage gestellt, wer oder was denn ein Deutscher sei – vielleicht Roberto Blanco oder der dunkelhäutige  Fußballer Rigobert Gruber  – heute würde man vielleicht nach Cacau fragen.

Kurt Tucholsky schrieb einst:

Die Dänen sind geiziger als die Italiener.
Alle Letten stehlen.
Alle Bulgaren riechen schlecht.
Rumänen sind tapferer als Franzosen.
Russen unterschlagen Geld. –

Das ist alles nicht wahr,
wird aber im nächsten Kriege
gedruckt zu lesen sein.

Die Frage nach dem „Vaterland“ und „Vaterlandsliebe“ hatte einst Bertolt Brecht prächtig beantwortet:

Kalle: „Die Vaterlandsliebe wird schon dadurch beeinträchtigt, dass man die lieben soll, die man heiratet, und nicht die heiratet, die man liebt. Warum, ich möchte zuerst eine Auswahl haben: Sagen wir, man zeigt mir ein Stückel Frankreich und ein Fetzen gutes England und ein, zwei Schweizer Berge und was Norwegisches am Meer und dann deut ich drauf und sag: das nehm ich als Vaterland; dann würd ich´s auch schätzen. Aber jetzt ists, wie wenn einer nichts so sehr schätzt wie den Fensterstock, aus dem er einmal herausgefallen ist.“

Ziffel: „Das ist ein zynischer, wurzelloser Standpunkt, der gefällt mir.“
(aus: Bert Brecht – Flüchtlingsgespräche)

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