Teetrinker

Ich bin Teetrinker. Durch eine niederländische Mutter quasi von Geburt an.
   
Teetrinker unterscheiden sich deutlich von überwältigenden Menge der Kaffeetrinker. Teetrinker werden meist als Weicheier wahrgenommen und sind tendenziell exzentrisch. Dass Teetrinker gesünder leben, ist erwiesen. Ob sie länger leben, ist unbekannt.
      
Als Hotelbewohner und Vielreisender habe ich es nicht immer leicht. Nur selten ist das gastronomische Angebot auf Teetrinker ausgerichtet. Oft ist das Teewasser nur lauwarm oder schmeckt nach Kaffee (liegt an den Warmhaltekannen, in den auch schon mal Kaffee kredenzt wurde).

Seltsamerweise ist fast immer ein Beutel Zitronensaft oder (in der gehobenen Gastonomie) eine Scheibe Zitrone dabei. Das macht aber nur Sinn, wenn man krank ist. Vielleicht geschieht das aber genau deshalb: Wer einen Tee bestellt, muss entweder einen schwachen Magen haben – oder ist eben exzentrisch, wie ein Engländer. Tee genießt jedenfalls selten die Wertschätzung eines „normalen“ Getränkes.
   
Kaffeetrinker kennen auch keinen Unterschied zwischen Schwarztee und Früchtetee, Kräutertee oder neuerdings „Rooibuschtee“. Echte Teetrinker trinken Blatttee, keinen „Broken“ oder „Ostfriesische Mischung“. Earl Grey als das Beispiel parfümierten Tees ist auch nicht beliebt bei Puristen. Ähnlich den Spitzengewächsen beim Rotwein huldigen sie den Spitzenblättern des Darjeeling, am liebsten als First oder Second Flush. Auch Ceylontee wird sehr geschätzt. Assam weniger.
   
Tee ist das erste warme Getränk, das Menschen zubereitet haben. Die Japaner kennen gar eine Teezeremonie. In Deutschland gilt, dass ein belebender Tee circa drei Minuten ziehen sollte, grüner Tee nur eine Minute und bei höchstens 70 Grad C.
   
Und genau diese Zeit des Wartens macht den Unterschied. Teetrinker können warten. Kaffeetrinker nicht. Sie sind hektisch. Rastlos. Nicht von ungefähr also der Spruch: „Abwarten und Tee trinken!“

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2 Antworten zu Teetrinker

  1. Roswitha Osmers sagt:

    Wenn Teetrinker ihre Frühstückseier auch nur drei Minuten kochen lassen, wunderts nicht, wenn sie als Weicheier bezeichnet werden. 😉

    Kaffee hat in den letzten Jahren eine allgemeine Aufwertung erfahren und ist nicht, wie immer behauptet wurde, gesundheitsschädlich, sondern gesund. Die Zubereitung von Kaffee dauert zudem auch mindestens einige Minuten. Und wer zwei bis drei Tassen Kaffee am Tag trinkt, ist weder hektisch noch rastlos.
    Ich kenne viele Menschen, die Kaffee- und Tee-und sogar Milch-Trinker sind. Ich genieße beispielsweise genauso gern ein Glas Rotwein wie ein Glas Weißwein oder Bier oder eine Tasse heißes Wasser.
    Das erste warme Getränk wird wohl eher Wasser gewesen sein. Denn ich glaube nicht, dass einer das Feuer erfunden hat mit dem Gedanken, sich gleich erst mal ’n Tee aufbrühen zu wollen…
    Da ist Henning Scherf also mit Abstand der First Purist, denn er trinkt leidenschaftlich gern heißes Wasser. Zeigt er nun damit, dass er ein Heißsporn ist? Oder will er dadurch seinen Polter-Geist verdünnen?
    Früher hörte man oft Leute sagen: Von Wasser bekommt man Läuse im Bauch. Möglicherweise ist das aber nur ein alter Werbespruch von Brauerei-oder Weingutbesitzern…
    Im Dorf gibt es übrigens eine Kneipe mit gemütlichem Schummerlicht und einem Kneipenwirt, der wunnerbor sächseln kann. Da könntest Du mal einen Besuch machen, werter Karl-Heinz, Dir einen Tee oder eine Tasse heißes Wasser bestellen und mit dem Kneipenwirt Deinen Sächsisch-Test machen. Wenn Dich die anwesenden Alkoholtrinker scheel wie das achte Weltwunder angucken und sagen: „Du hast wohl einen im Tee“ – dann bist Du in der besagten Kneipe… 😉

  2. Sonja Eden sagt:

    Da würde Gerd aber protestieren, wenn Du ihn nicht als „echten Teetrinker“ bezeichnen würdest. Er trinkt ausschließlich „ostfriesische Mischung“, das tun echte Ostfriesen nämlich. Emder Ostfriesen nur von Thiele. Die Ostfriesen trinken übrigens den meisten Tee der Welt, sogar mehr als in den arabischen Emiraten.

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