Bundespräsident Köhler zu Afghanistan

Bundespräsident Köhler ist nach Information der SZ in einem Dilemma: Sein bisheriger Pressesprecher Martin Kothé ist am 30. April 2010 gegangen, die neue, Petra Diroll, tritt ihren Job erst am 1. Juni 2010 an.

Da kann es dann schon geschehen, dass „nicht redigierte“ Aussagen „in Kladde“ in die Öffentlichkeit gelangen. Das geschieht Politikern heute sonst kaum noch. Alles, was sie öffentlich sagen oder schreiben, wurde vorher gründlich weichgespült bzw. sprachlich so verbrämt, dass man es ohne Schaden dem Volk darbieten kann (man denke nur an solch euphemistischen Wortgeschöpfe wie „Solidaritätsbeitrag“ oder „Bürgerversicherung“).

Und auch wenn sie im Nachhinein als „missverständlich“ bezeichnet wurde, so ist dies doch eine bemerkenswerte offizielle Äußerung (zitiert aus „Spiegel„):

„Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.“

Genau darum geht es in Afghanistan. Alle anderen Argumente sind reine Ideologie zur Beruhigung bzw. gezielten Desinformation des deutschen Volkes.

Altkanzler Helmut Schmidt hat zu den offiziellen Begründungen ebenfalls deutlich Stellung bezogen. Seiner Meinung nach hat es in den vergangenen 3000 Jahren keinen Staat Afghanistan gegeben. Mithin seien Bemühungen aus diesem Völkerkonglomerat einen Staat, einen demokratischen zumal, zu machen, völliger Nonsens.

Nun haben wir erfahren, dass es darum auch offensichtlich gar nicht geht.

Nachtrag 31. Mai 2010: Horst Köhler ist soeben als Bundespräsident zurückgetreten. Als Begründung gab er die anhaltende Kritik an seinen a. o. Äußerungen zu Afghanistan an. Der kritische Z(w)eitgeist vermutet, dass möglicherweise aber auch interessierte Kreise Druck auf Horst Köhler ausgeübt haben könnten.

Dieser Beitrag wurde unter Politik abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.