Vanitas vanitatum – über die Eitelkeit und Vergänglichkeit

Der Mensch ist eitel – und oft in eben dieser Eitelkeit überheblich.

Vor dem Hintergrund des Endlichen schnurrt dieses Überheblichkeitsgefühl in sich zusammen. Wir kennen diesen Kampf hinreichend aus der Weltliteratur, bei der der eitle Mensch seine Seele um des Genusses willen dem Teufel verpfändet.

Auf der Suche nach dem Zitat „Vanitas vanitatum, et omnia vanitas” (Vergänglichkeit des Vergänglichen, und alles ist vergänglich) finde ich als Autor Salomo.

Das Buch „Kohelet“ (dt. „Sammler“), auch „Ekklesiastes“ (dt. „Verkündiger“) bzw. von Luther als „Prediger Salomo“ genannt, ist das Buch des Alten Testaments mit den stärksten Affinitäten zur Philosophie. Doch lesen Sie selbst:

„Dies sind die Reden des Predigers, des Sohnes Davids, des Königs zu Jerusalem.

Es ist alles ganz eitel, sprach der Prediger, es ist alles ganz eitel. Was hat der Mensch für Gewinn von aller seiner Mühe, die er hat unter der Sonne? Ein Geschlecht vergeht, das andere kommt; die Erde aber bleibt ewiglich. Die Sonne geht auf und geht unter und läuft an ihren Ort, dass sie wieder daselbst aufgehe. Der Wind geht gen Mittag und kommt herum zur Mitternacht und wieder herum an den Ort, da er anfing.

Alle Wasser laufen ins Meer, doch wird das Meer nicht voller; an den Ort, da sie her fließen, fließen sie wieder hin. Es sind alle Dinge so voll Mühe, dass es niemand ausreden kann. Das Auge sieht sich nimmer satt, und das Ohr hört sich nimmer satt.

Was ist’s, das geschehen ist? Eben das hernach geschehen wird. Was ist’s, das man getan hat? Eben das man hernach tun wird; und geschieht nichts Neues unter der Sonne. Geschieht auch etwas, davon man sagen möchte: Siehe, das ist neu? Es ist zuvor auch geschehen in den langen Zeiten, die vor uns gewesen sind. Man gedenkt nicht derer, die zuvor gewesen sind; also auch derer, so hernach kommen, wird man nicht gedenken bei denen, die danach sein werden.

Ich, der Prediger, war König zu Jerusalem und richtete mein Herz zu suchen und zu forschen weislich alles, was man unter dem Himmel tut. Solche unselige Mühe hat Gott den Menschenkindern gegeben, dass sie sich darin müssen quälen. Ich sah an alles Tun, das unter der Sonne geschieht; und siehe, es war alles eitel und Haschen nach dem Wind. Krumm kann nicht schlicht werden noch, was fehlt, gezählt werden.

Ich sprach in meinem Herzen: Siehe, ich bin herrlich geworden und habe mehr Weisheit denn alle, die vor mir gewesen sind zu Jerusalem, und mein Herz hat viel gelernt und erfahren. Und richtete auch mein Herz darauf, dass ich erkennte Weisheit und erkennte Tollheit und Torheit.

Ich ward aber gewahr, dass solches auch Mühe um Wind ist. Denn wo viel Weisheit ist, da ist viel Grämens; und wer viel lernt, der muss viel leiden.“

(Prediger Salomo (Kohelet), Kapitel 1)

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