Total beflaggt

Erstmals wurden sie zur Fußball-WM 2006 gesichtet: Die Deutschlandflaggen zum Einklinken in die Autofensterscheiben.

Jetzt, in diesem Jahr zu Fußball-EM, wurden sie wieder massenhaft herausgeholt.

Schon lange grübele ich über eine Psychopathologie der Vexillologie (zu deutsch „Flaggenkunde“) nach. Denn des Bundesbürgers Auto hat vier Scheiben, wo diese Flaggen angebracht werden können. Meine Hypothese: Mit Sicherheit ist es kein Zufall, wer wo welche Flagge einklemmt.

Meine empirischen Beobachtungen bei einer repräsentativen Zählung vom heutigen Tage haben zunächst einmal ergeben, dass 38% alles Autos beflaggt sind.

Meist wird die Flagge rechts hinten befestigt (44%). Dies ist der weitest mögliche entfernte Platz für die Flagge vom Fahrer. Ein Indiz dafür, dass dies der verkniffene, verschämte Typ ist, der sich nur knapp zu flaggen traut.

Links hinten ist der Platz, der am zweithäufigsten (36%) gewählt wird. Immer noch weit genug entfernt vom Fahrer, aber immerhin schon auf seiner Seite. Ein Sympathisant also.

Wer beiden Hintertüren beflaggt, war nach meiner heutigen Kurzbefragung einst selber aktiver Fußballspieler und schaut auch regelmäßig Bundesliga im „Sportstudio“

Die dritthäufigste Wahl (24%) ist die Verbringung der Nationalflagge am Stiel in der Beifahrertür. Dieser Standort wird meist von Singles gewählt, bei denen die Flagge symbolisch für eine nicht vorhandene Lebensgefährtin weht.

89% der Vexillogen sind übrigens Männer, 10% Frauen, 1% schwul.

Die Fahrertür beflaggen nur 5% aller DFB-Fans.

Alle vier Fenster werden nur von 8% kurz nach einem Sieg des DFB-Teams bestückt.

Wer mit Ausnahme des Fahrerfensters alle drei anderen Fenster beflaggt oder auch noch den Antennenstummel für eine weitere Flagge missbraucht (hier liegt möglicherweise ein Indiz für einen Ödipuskomplex vor, genauere Studien wären ratsam), hat meist auch eine Dauerkarte bei Werder Bremen.

Wer alle vier Fenster und den Antennenstummel als Anbringungsort für den deutschen Nationalwimpel nutzt, ist total beflaggt (4%).

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