Milchboykott

Ich würde den streikenden Bauern so gerne einmal etwas über sog. Marktgesetze erklären.

Zum Beispiel, dass (künstlich oder wirklich) knappe Güter teuer sind, aber alles, was im Überfluss am Markt vorhanden ist, in der Regel (ausgenommen, wenn Monopolisten am Markte sind) unter Preisdruck steht. Denn in der Zeitung hat Bauer Meyer mich mit seinem Vergleich mit den Tankstellen, wo der Kunde ja auch nicht den Preis diktieren könne, so gar nicht davon überzeugt, dass er etwas von „Markt“ versteht.

In „freien“ Märkten bestimmen in der Tat Angebot und Nachfrage den Preis. Leider interessiert die „unsichtbare Hand des freien Marktes“ (Adam Smith) so gar nicht, ob der Hersteller dabei auf seine Kosten kommt – oder eben nicht. Für das Erklären eventuellen Scheiterns ist Smiths Landsmann Charles Darwin zuständig.

Ich möchte hier auch nicht die Tatsache diskutieren, wie wenig die Landwirtschaft wirklich „dem freien Spiel der Kräfte“ gehorcht, Stichwort „Agrar-Subventionen“, die ja seit Jahrzehnten höchst unsinnige Formen angenommen haben, doch deren Klaviatur die Landwirte schlafwandlerisch beherrschen.

Und dann heute morgen dieser Ansatz in der Zeitung, dass man seine Preise mit dem Boykott durchsetzen werde. Erstens wird das nichts und zweitens ist das – bei allem sympathischen Verständnis für einzelne Landwirte – eine Pervertierung des marktwirtschaftlichen Gedankens (und so gar nicht kundenorientiert). Ich stelle mir gerade mal vor, ich boykottierte meine Kunden zur Erhöhung meines Honorars! Liegestuhl, ich komme!

Der Preis entsteht in (freien!) Märkte durch Angebot und Nachfrage. Erhält der Landwirt seinen gewünschten Preis nicht, dürfen wir davon ausgehen, dass das Angebot, das heißt die produzierte Milchmenge, zu groß ist. Vielleicht sollte Bauer Meyer als nächstes Experiment es mal mit „Urlaub auf dem Bauernhof“ versuchen, denn da besteht nachweislich noch Nachfrage.

Wenn ich mir gerade die Entwicklung der „Nordmilch“, wie sie nach vielen Umfirmierungen jetzt heißt (firmieren die nicht jetzt nicht unter „Milram oder ist das nur deren Marke?) anschaue und manche fragwürdige Standortentscheidung betrachte (wie weit wollen wir die Milch noch karren?), dann kann ich nur Max Liebermann zitieren: „Ich kann nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.“

Ich liebe regionale Molkereien – und wir kaufen, wenn es irgendwie geht, bevorzugt deren Produkte. Milram wurde seit der Schließung des Nordmilchwerks in Seckenhausen von meiner Frau entschieden von unserem Speisenplan genommen – ich tanke übrigens bis heute noch nicht wieder Shell. Ja, liebe Konzerne, so mancher Kunde hat ein Langzeitgedächtnis!

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